Rund 2.500 Tirolerinnen und Tiroler sind hochgradig sehbehindert oder blind. Sie haben es häufig schwer im Leben, sind ständig auf die Hilfe von Bekannten, Verwandten oder die eines Pflegers angewiesen. Doch oft sind es genau diese Menschen, die spezielle Fähigkeiten und Fertigkeiten entwickeln.
Helga Radinger aus Schwaz ist der beste Beweis dafür: Die 56- Jährige strickt trotz ihrer Vollblindheit Hauben, Stirnbänder, Handschuhe, Pullover und vieles mehr. "Obwohl ich von Kindheit an mit schweren Krankheiten zu kämpfen hatte und 2005 vollkommen erblindet bin, habe ich nie aufgegeben", sagt Radinger.
Bei einem herbstlichen Spaziergang mit dem Kind ihrer Nichte vor rund einem Jahr bemerkte die 56- Jährige, dass ständig ein Ohr aus der Wollmütze des Babys herausragte. Sie machte sich an die Arbeit und versuchte dem Problem Abhilfe zu schaffen. "Trotz anfänglicher großer Schmerzen wollte ich nicht aufgeben, und diese wiedergewonnene Aufgabe wurde zu meinem Lebenswerk", erklärt die Frau. Das Endprodukt konnte sich sehen lassen - und bald wollte nahezu jeder Bekannte ein Stück besitzen und riss sich um die liebevoll teilweise mehrfarbigen gestrickten Werke der Schwazerin.
"Trotz meiner deformierten Hände stellte sich nach kurzer Zeit heraus, dass ich weit mehr Ideen entwickelte und kreativer war als früher, als ich noch sehen konnte", sagt Radinger. Die Gleichmäßigkeit, mit der die 56- Jährige strickt, ist einzigartig und Wolljacken für Kinder strickt sie auch ohne einer einzigen Naht. "Ich glaube, dass können nicht einmal viele Sehende", so die Schwazerin stolz.
Einzig bei Aufnähern für Hauben oder beim Vlies in den Stirnbändern sowie Mützen muss ihr geholfen werden. "Die Liebe zum Handwerk lässt mich einfach weitermachen und man sieht, dass jeder trotz einer schweren Krankheit etwas leisten kann", meint die Vollblinde. "Ich bin Gott unendlich dankbar für dieses große Geschenk, dass ich trotz meiner schwersten Behinderung vielen Menschen noch eine große Freude bereiten darf", sagt Radinger.