Eine oder keine?

Gemeinden stellen Zölibat infrage

Nachrichten
28.02.2008 16:59
Eine oder keine? Immer mehr Gemeinden in Oberösterreich stellen den Pflichtzölibat infrage. Nach dem Pfarrgemeinderat von Steyr-Tabor hat sich nun auch jener von Dorf an der Pram mit diesem Anliegen an Diözesanbischof Ludwig Schwarz gewandt. Generell werde die Bitte, die Bischöfe mögen die Situation der Pfarren näher ins Visier nehmen, immer öfter geäußert, hieß es bei der Diözese.

In einem Brief hat der Pfarrgemeinderat von Dorf an der Pram den Bischof ersucht, sich angesichts des "immer kritischer werdenden Priestermangels" in der Bischofskonferenz für die Weihe von "viri probati" (erprobten Männern) und die Aufhebung des Pflichtzölibats einzusetzen. "Wir wollen uns nicht dem Vorwurf aussetzen, geschwiegen zu haben", begründete Helmut Schneiderbauer, der Obmann des Pfarrkirchenrats den Schritt.

"Jeder von uns kennt Priester, die heimlich eine Freundin haben", bekannte Schneiderbauer sogar. Stehe ein Priester aber ehrlich zu seiner Lage, werde er bestraft und müsse gehen. "Die Kirche muss hier einfach zu den Fakten stehen". Ähnlich hatte im vergangenen Herbst auch die Pfarre Steyr-Tabor in einem Brief an den Bischof argumentiert: Das Problem, dass fast ein Drittel der Pfarren in Steyr unbesetzt seien, sei "hausgemacht". Auch hier ersuchten die Gläubigen um die Aufhebung des Zölibats.

Um "mutige Schritte für eine verantwortungsvolle Entwicklung der Seelsorge" ersuchte auch die Perger Pfarre Schwertberg im Mühlviertel. Die derzeit gängige Praxis, vakant werdende Stellen einfach dem Nachbarpfarrer "umzuhängen", sei nicht sinnvoll. Auch die Linzer Pfarre St. Markus äußerte bereits Bedenken, wie angesichts des Priestermangels die Möglichkeit einer Eucharistiefeier sichergestellt werden soll.

Schneiderbauer hofft, dass weitere Gemeinden seinem Beispiel folgen: "Wie sonst soll sich ein Bischof ein Bild machen können, was die Basis denkt?". Schwarz dürfte das Problem allerdings nicht mehr unbekannt sein: Er werde sowohl schriftlich als auch in Gesprächen mit den Menschen häufig mit derartigen Sorgen häufig konfrontiert, hieß es bei der Diözese. Die Briefe wolle er zur nächsten Frühjahrsvollversammlung der Bischofskonferenz von 3. bis 6. März in Reichenau an der Rax (Bezirk Neunkirchen)  mitnehmen, hat er den Absendern zurückgeschrieben.


Symbolbild: Markus Wenzel
Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Nachrichten
28.02.2008 16:59
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung