Nachdem in Europa - trotz steigender Beliebtheit - der Football-Sport noch lange nicht denselben Stellenwert hat wie in den USA, muss die Einstiegshürde dementsprechend niedrig sein. Gilt Football doch, fälschlicherweise, als sehr komplizierte Sportart. Diesem Umstand hatten die Entwickler schon letztes Jahr Rechnung getragen (siehe Infobox), indem die Spielzugauswahl von der CPU vorgenommen werden konnte.
Dieses unterstützende Feature wurde mit "Madden NFL 12" überarbeitet und ist nun besser integriert. Litt der Spielfluss in der alten Variante noch etwas, trifft das jetzt nicht mehr zu. Wer möchte, kann zusätzlich vorgeben, ob es sich um einen Lauf- oder Passspielzug handeln soll. Profis, die bei diesem Kinderkram höchstens verächtlich die Nase rümpfen, dürfen selbstverständlich auch auf eigene Faust die hoffentlich richtige Wahl aus dem Playbook treffen.
Die Präsentation, vor allem vor dem Spiel, wenn die Teams ins Stadion einlaufen, aber auch die Zwischensequenzen gehören mit zum Besten, was in Sportspielen bisher zu sehen war. Die Aktionen am Rasen können da fast immer mithalten. Selten aber doch wirken manche Animationen allerdings nicht ganz so geschmeidig, was in der Hektik des Spiels jedoch nicht weiter auffällt.
Vor Beginn eines Spielzugs werden die Laufwege der Receiver oder des Running Backs kurz eingeblendet. Das erleichtert die Arbeit als Quarterback wesentlich, auch wenn aufgrund des fehlenden Timings die eine oder andere Interception - der Gegner fängt den Ball ab - dabei ist. Mit dem Ball unter dem Arm auf dem Weg Richtung Endzone, kann schließlich mit verschiedenen Tricks versucht werden, die Verteidiger ins Leere laufen zu lassen. Mit etwas Übung gelingt vielleicht ein sensationeller Lauf in die Endzone wie es Seahawks-Spieler Marshawn Lynch, der davon sprach im "Beast-Mode" gewesen zu sein, letzte Saison gelungen ist.
Bei einem Touchdown wird schließlich sogar das für das jeweilige Team typische Lied abgespielt. So ertönt bei den Minnesota Vikings etwa "Skol Vikings!" aus den Boxen. Die Freude über den Punktgewinn ist aber spätestens beim Field-Goal-Versuch nicht mehr ganz so groß: Denn sowohl die Steuerung als auch die Perspektive wurden leider nicht zum Vorteil des Spielers verändert. Die alte Variante hatte einen stimmigeren Eindruck hinterlassen.
Bei den Spielmodi kam diesmal nichts hinzu, stattdessen wurde sogar ein Feature gestrichen. Die Möglichkeit, historische Spiele mit den damaligen Teams nachzuspielen, fiel leider dem Rotstift zum Opfer. Auch der "Coaching Speak" wurde wieder entfernt. Trotz dieser leichten Abstriche dürfte aber niemandem fad werden: Neben dem schnellen Spiel können eine Saison oder gleich eine Team-Karriere in Angriff genommen werden. Wer möchte, kann überdies die letztjährige Super Bowl nachspielen. Dazu kommt noch der umfangreiche Online-Part.
Fazit: "Madden NFL 12" bestätigt einmal mehr die Vormachtstellung von EA Sports im Sportspielsektor. Die Präsentation weiß zu begeistern und sowohl Anfänger als auch Profis finden die passende Herausforderung. Im Gegensatz zum Vorgänger hat sich allerdings nicht viel geändert. Die Anschaffung dürfte sich demnach in erster Linie für Fans und Einsteiger in die Welt des American Football lohnen.
Plattform: Xbox 360 (getestet), PS3, iPhone, iPad
Publisher: EA Sports
krone.at- Wertung: 9/10
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