Unwürdiges Ende

Harrys Game-Finale ist ein Hexerschuss in den Ofen

Spiele
16.07.2011 19:04
Es hätte ein "unvergessliches Finale" mit den "fesselndsten Kämpfen aller Zeiten" werden sollen, doch einmal mehr entpuppt sich die Werbung als leere Versprechung: "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2" erweist sich als Hexerschuss in den Ofen und markiert damit den unwürdigen Abschluss einer inzwischen immerhin zehn Jahre alten Videospielreihe.

Zugegeben: Die Harry-Potter-Spiele waren nie herausragend, aber doch immerhin soweit gediehen, dass man mit ihnen ein paar vergnügliche und abwechslungsreiche Stunden vor dem Fernsehbildschirm verbringen konnte. Mit dem ersten Teil zu "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes" verabschiedete sich EA allerdings vom über die Jahre lieb gewonnenen Action-Adventure-Mix, um stattdessen – Zitat aus der Review Ende November vergangenen Jahres – einen "hundsbanalen 3rd-Person-Shooter" zu präsentieren.

Leider hat sich daran auch im zweiten Teil nichts geändert. Mit Ausnahme einiger weniger Quick-Time-Events oder kurzer Geschicklichkeitseinlagen, während derer man beispielsweise versucht, dem heißen Odem eines Drachen zu entkommen oder über einstürzende Brücken zu fliehen, ballert man die meiste Zeit über unter lautem "Stupor"-Gebrüll mit seinem Zauberstab auf Todesser, Riesen und andere Schießbudenfiguren. 

Dass man dabei ab und an die Rollen tauscht und neben Harry etwa auch Ron, Hermine, Ginny, Neville oder Professor McGonagall steuert, sowie gelegentlich mit einem Zwischen- bzw. Boss-Gegner konfrontiert wird, der dem Spieler durchaus strategisches Geschick abverlangt, vermag die Schwächen im Gameplay nicht zu kompensieren. Insbesondere, da ohnehin schon fade Spielabschnitte unnötig in die Länge gezogen werden.

Verstärkt wird die spielerische Monotonie durch die unglaublich träge schauspielerische Leistung der beteiligten Charaktere. Harry und Co. bewegen sich nicht nur wie leblose Marionetten, sie sprechen auch so, nämlich völlig anteilnahmslos. Mitunter beweisen die Protagonisten allerdings hellseherisches Geschick, wenn sie verbal Ereignisse vorweggreifen, die noch gar nicht auf dem Bildschirm zu sehen sind. Oder sie äußern sich erst, nachdem etwas längst passiert ist.

Die Steuerung passt dabei sehr gut zum enttäuschenden Gesamteindruck, vor allem beim Spiel per Bewegungssteuerung. Auf der PS3 wollte sich der Motion-Controller trotz mehrfacher Kalibrierung nicht so recht fügen und hing sich immer wieder an den Bildrändern fest. Schnelles Umdrehen, um etwa hinterrücks auflauernden Feinden gegenüberzutreten, wurde so zur Geduldsprobe. 

Wer nicht vorschnell das Zeitliche segnen möchte, kommt demnach am klassischen Controller nicht vorbei. Dann lassen sich nicht nur Gegner schneller und präziser anvisieren, auch der Wechsel zwischen den unterschiedlichen Zaubersprüchen geht leichter von der Hand. Letzteres ist nicht unbedeutend, muss doch teilweise sehr zügig zwischen zwei Zaubern gewechselt werden – etwa, um zunächst einen Schildzauber zu durchbrechen und den Feind dann mit dem gewohnten "Stupor!" außer Kraft zu setzen.

Die unterschiedlichen Zauber sind dann auch mit das Beste, was "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2" zu bieten hat. Viel ist das aber nicht, zumal sich auch abseits des Story-Modus nur wenig tut. Der sogenannte Herausforderungs-Modus gleicht der Kampagne, einziger Unterschied ist, dass während der Levels nun die Uhr tickt und bestimmte Aktionen – etwa die Anzahl der Kopfschüsse - für den späteren Vergleich mit Freunden gezählt werden.

Fazit: Nein, ein solches Ende haben Harry und seine Freunde nun wirklich nicht verdient. Auch wenn geringfügige Verbesserungen im Vergleich zum Vorgänger auszumachen sind, ist das fertige Produkt noch immer weit davon entfernt, ein großer Wurf zu sein. Dafür fehlt es dem Titel schlichtweg an Abwechslung und insbesondere Dramatik, welche die "Stupor"-Monotonie durchbrechen könnte. "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2" ist somit unterm Strich höchstens hartgesottenen Fans zu empfehlen.

Plattform: PS3 (getestet), Xbox 360, Wii, PC, DS
Publisher: Electronic Arts
krone.at-Wertung: 5/10

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