Sa, 21. April 2018

Alkoholsucht

27.01.2018 06:00

Hilfe, ich trinke zu viel!

Wenn man das Gefühl hat, Alkohol als "Medikament" zu benötigen oder das "After-Work-Glaserl" allzu wichtig wird, um den Stress des Alltags auszuhalten, ist es höchste Zeit, sich ärztliche Hilfe zu suchen!

"Ich war sehr stolz darauf, dass ich mit der Zeit immer mehr Spritzer vertragen habe und trotzdem noch geistreich diskutieren konnte", erinnert sich Lisa. "Dabei war dieser Gewöhnungseffekt ein ernstes Notfallsignal meines Körpers. Ich war am besten Weg, zur Alkoholikerin zu werden."

Was ihr und auch ihren Freunden bereits auffiel: Lisa sah das Genussmittel nicht mehr nur als spaßigen Zeitvertreib, sondern beinahe als "Arznei gegen den stressigen Alltag". "Wenn das berühmte, After-work-Glaserl’ regelmäßig konsumiert werden muss, um die Spannung vom Job oder jene, die zu Hause auf einen ,wartet’ auszugleichen, sollten die Alarmglocken läuten", rät auch Suchtexperte Prim. Univ. Prof. Dr. Michael Musalek, Ärztlicher Direktor am Anto Proksch Institut in Wien. "Weiteres Zeichen, dass sich jemand auf die Abhängigkeit zubewegt, sind wiederholte Versuche, das Trinken einzuschränken oder aufzugeben, die aber nicht, durchgezogen’ werden können."

Lisa erzählt: "Meinen Neujahrsvorsatz, den Feierabendprosecco wegzulassen, habe ich schon am dritten Tag wieder gebrochen. Meine Schwester bemerkte diesen Kampf - und meine immer öfter auftretende Fahne - schließlich auch und stellte mich zur Rede." Dazu rät auch Prim. Musalek: "Haben Sie den Eindruck, dass jemand, der Ihnen nahe steht (ein so heikles Thema können nur Menschen mit Vertrauensbasis zueinander ansprechen), zu häufig zur Flasche greift, reden Sie ihn darauf an. Vorschnelle Diagnosen sind dabei allerdings ebenso wenig sinnvoll wie sich in Diskussionen hineinziehen zu lassen, wie viel zu viel ist. Konfrontieren Sie ihn besser direkt mit Ihrem persönlichen Eindruck, dass er sich zu oft betrinkt. Egal, ob der Betreffende einsichtig ist oder nicht, auf jeden Fall dazu raten, sich möglichst rasch helfen zu lassen."

Professionelle Hilfe suchen!
Der Experte schlägt vor, sich dann dem Haus- oder einem Facharzt anzuvertrauen. Dieser stellt fest, welche weitere Vorgehensweise nun angezeigt ist. "Jeder, der regelmäßig Alkohol trinkt, hat eine prinzipielle Chance, alkoholkrank zu werden. Dieses Genussmittel gehört in Österreich ja vielfach zum täglichen Leben dazu", erklärt Prim. Musalek. "Der Fortschritt der Erkrankung verläuft nicht geradlinig, sondern in Stufen, wobei sich die konsumierte Menge immer mehr steigert. Gefährlich wird es, wenn es keinen alkoholfreien Tag mehr in der Woche gibt."

Befindet sich der Betroffene gerade in einer Krise oder hat besonders viel Stress zu kompensieren, kommt die depressionsfördernde Wirkung des Alkohols erschwerend hinzu. "Alle kennen das: Man bemerkt recht schnell bei einer Feier, wie nach den ersten Gläsern die euphorisierte, lustige Stimmung kippt und traurige Gespräche voller Weltschmerz folgen", beschreibt Prim. Musalek. "Abhängige schlittern dann oft in einen Teufelskreis, denn der Alkohol macht sie depressiv, wogegen sie mit noch mehr Alkohol vorzugehen versuchen. Besonders emotionalisierte Tage - z. B. Geburtstag oder Weihnachten - können in der Folge durch das Suchtmittel für den Einzelnen wirklich bedrohlich werden. Durch die gleichzeitige enthemmende und depressive Wirkung steigt nämlich die Suizidgefahr."

Für Lisa bedeutete das erste Gespräch mit ihrer Schwester die Wende. Sie willigte ein, sich ihrem Hausarzt anzuvertrauen und einen Entzug zu machen.

Eva Greil-Schähs, Kronen Zeitung

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