Fr, 24. November 2017

Kapazitäten fehlen

11.11.2017 06:20

Schwere Defizite in Österreichs Kinderpsychiatrie

Rund 100.000 Kinder und Jugendliche in Österreich benötigen eine spezialisierte psychiatrische Behandlung. Doch existieren mit einem Versorgungsgrad von bloß einem Viertel bei den Kassenstellen für Kinder- und Jugendpsychiatrie und der Hälfte der notwendigen stationären Kapazitäten weiterhin große Defizite.

"Wir haben jetzt erste repräsentative Daten. Rund ein Viertel der Zehn- bis 18-Jährigen sind psychiatrisch auffällig. Davon sind etwa 100.000 Kinder und Jugendliche behandlungsbedürftig", sagte Charlotte Hartl, Obfrau der Bundesfachgruppe des Sonderfachs Kinder-und Jugendpsychiatrie in der Österreichischen Ärztekammer bei einer Pressekonferenz.

Ausbau stationärer Einrichtungen nötigt
Zwar sei man im vergangenen Jahrzehnt ein Stück vorangekommen, doch es existierten anhaltend erhebliche Defizite, stellte Rainer Fliedl, Präsident der Österreichischen Fachgesellschaft für Kinder und Jugendpsychiatrie, dar: "Es sind derzeit etwa die Hälfte der Spitalsbetten und Tagesklinik-Kapazitäten vorhanden, die im Österreichischen Strukturplan Gesundheit vorgesehen sind. Bei den Kassenstellen haben wir ein Viertel der Vollversorgung."

Laut offiziellen Daten gibt es in Österreich derzeit 204 Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Das "Soll" liege bei 300 bis 350, hieß es. Festgeschrieben in der Gesundheitsplanung wäre ein Spitalsbett bzw. entsprechende Tagesklinik-Kapazität im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie pro 100.000 Einwohner. Für ganz Österreich sollten das 860 Betten in stationären Einrichtungen sein. Aktuell sind es aber nur 359. Man benötige einen Ausbau der stationären Einrichtungen auch, um genügend Jugend- und Kinderpsychiater ausbilden zu können, betonte Fliedl.

Steiermark ohne Kinder-und Jugendpsychiater mit GKK-Vertrag
Zum Teil krasse Defizite existieren aber bei den mit Gebietskrankenkassenvertrag (GKK) niedergelassenen Kinder- und Jugendpsychiatern in mehreren Bundesländern. "Vor fünf Jahren gab es noch keinen Kassenarzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Jetzt sind 27 'festgeschrieben', 26 Stellen davon besetzt. Wir würden aber etwa 106 Kinder- und Jugendpsychiater mit Kassenvertrag brauchen, sind also etwa bei einem Viertel", sagte Johannes Steinhart, Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer.  Das Burgenland und die Steiermark haben keinen einzigen Kinder-und Jugendpsychiater mit GKK-Vertrag.

 krone.at
Redaktion
krone.at
Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden