Sa, 20. Jänner 2018

Heikle Inhaltsstoffe

30.07.2017 06:00

Doping durch Essen?

Achtung, Sportler: Experte Mag. Dr. David Müller von der Nationalen Anti-Doping Agentur NADA warnt, dass auch unsere Mahlzeiten sowie diverse Nahrungsergänzungsmittel verbotene Substanzen enthalten können!

In Österreich schlucken 2 Millionen Rinder, 3 Millionen Schweine, 400.000 Schafe, 90.000 Ziegen und mehr als 60 Millionen Hühner jährlich 60 Tonnen Antibiotika. Die Viecherl sollen schließlich gesund auf unserem Esstisch landen. Und wir Genießer bekommen vielleicht seltener Lungenentzündung. Aber in unserem Essen können nicht nur Bakterienkiller stecken, sondern Stoffe, die bei Sportlern mit Wettkampfambitionen einen positiven Dopingtest auslösen können, wie Mag. Dr. David Müller von der NADA (Nationale Anti-Doping Agentur) warnt! Er spricht zwar in erster Linie Leistungssportler an, aber uns Amateuren kann immerhin gesundheitliches Ungemach drohen. Wie Dr. Müller zu Bedenken gibt, sind leistungssteigernde Mittel in der Viehzucht zwar nicht zugelassen, aber einige Länder kümmern sich darum gar nicht. Es werden ohne Skrupel Stoffe wie anabole Steroide oder Wachstumshormone eingesetzt, um die Produktionsquoten zu erhöhen: "Besondere Vorsicht ist zum Beispiel bei Reisen nach China oder Mexiko geboten! Dopingexperten warnen dort vor dem Genuss von Fleisch und Fleischprodukten, da es in der Vergangenheit immer wieder Probleme mit verunreinigten Nahrungsmitteln gab."

Gefährliche Inhaltsstoffe in unseriösen Präparaten
Nahrungsergänzungsmittel werden allgemein als völlig unbedenklich eingestuft. Wie sollten Vitamine, Eiweiß, Kohlenhydrate oder Mineralstoffe auch gefährlich sein? Leider muss der Anti-Dopingspezialist hier ebenfalls einschränken: "Bei Produkten aus unseriösen Quellen wie Internet, zweifelhaften Shops etc. kommt es immer wieder vor, dass Prohormone sowie Aufbau- und Aufputschmittel beigesetzt sind, um eine spürbare Wirkung zu erzeugen. Zudem kann es auch zu unabsichtlichen Verunreinigungen kommen." Das ist nicht nur im Sinne des Dopings gefährlich, sondern kann auch für Hobbyathleten schlecht ausgehen. Daher sind Konsumenten gut beraten, wenn sie ausschließlich Präparate wählen, die in heimischen Apotheken angeboten werden. Nur da kann man sich auf beste Qualität verlassen.

An die Adresse von Wettkampfsportlern
Einige asiatische Teesorten (Ma-Huang, Ephedra) können das bei Bewerben verbotene Ephedrin oder Pseudoephedrin enthalten. Diese Stimulantien finden sich auch in manchen Erkältungspräparaten. Bei Dopingkontrollen wurden aber Grenzwerte eingeführt, um die Behandlung von harmlosem Schnupfen von absichtlichem Doping zu unterscheiden. Das Gerücht, ein Stück Mohnkuchen könne zu einer positiven Analyse führen, entkräftet Dr. David Müller: "Im Mohnsamen ist zwar die im Wettkampf verbotene Substanz Morphin enthalten. Im Rahmen der Analyse können wir aber klar feststellen, ob tatsächlich Doping im Spiel war, oder lediglich zuviel Mohnkuchen gegessen wurde."

Können Kaffeetrinker zu Dopingsündern werden?
Dr. Müller: "Koffein - das ja nicht nur im Kaffee steckt, sondern auch diversen Energydrinks beigefügt ist - war zwischen 1984 und 2004 ab einem bestimmten Grenzwert verboten. Derzeit wird von den Anti-Doping Labors Koffein zwar mitanalysiert, aber vorläufig nur beobachtet, ob es Tendenzen zu Missbrauch gibt. Häufen sich die Hinweise darauf, kommt Koffein wieder auf die Verbotsliste." Warum hat man Koffein überhaupt aus der Liste entfernt? "Eines der Hauptargumente war die vergleichsweise geringe Auswirkung auf die Leistungsfähigkeit. Außerdem gab es praktische Probleme bei der Feststellung eines Grenzwertes, da dieser Stoff im Körper höchst unterschiedlich abgebaut wird." Rauchen hat zwar nichts mit dem Essen zu tun. Dennoch wird auch Nikotin von den Anti-Doping Labors seit 2012 beobachtet. Im Blickpunkt steht eine bestimmte Form von Tabak (Snus), der zwischen Oberlippe und Zahnfleisch geklemmt und leider sogar von Nachwuchssportlern immer häufiger angewendet wird.

Wie kann man sich als Leistungssportler im Zweifelsfall seriös informieren?
Zur Verfügung steht die Medikamentenanfrage bzw. die "MedApp" der NADA Austria. Sportler, Trainer, Betreuer, Ärzte und Eltern können damit einfach und schnell Medikamente überprüfen.

Dr. med. Wolfgang Exel, Kronen Zeitung

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