Mi, 13. Dezember 2017

Über den Wolken

17.06.2017 10:12

So bekommen Sie Flugangst in den Griff

Fast jeder dritte Passagier leidet an Flugangst, dabei hat nur ein sehr kleiner Teil der Flugphobiker bedrohlich erscheinende Situationen im Flugzeug schon einmal tatsächlich erlebt. Auch ist den meisten Flugängstlichen auf rationalen Ebene durchaus klar, dass ihre Ängste unbegründet sind und dass Fliegen zu den sichersten Fortbewegungsmöglichkeiten überhaupt gehört. Aber das allein beruhigt eben nicht.

Warum bekommt man Flugangst?
Nicht selten leiden Flugangst-Patienten auch in anderen Situationen unter starken Ängsten: Sie vermeiden beispielsweise das Autofahren, insbesondere auf vermeintlich besonders gefährlichen Abschnitten wie etwa in Tunnels oder auf hohen Brücken. Oder sie fürchten sich in engen Räumen oder größeren Höhen. In diesen Fällen ist die Flugangst eine Ausprägung dieser generellen Angst vor potenziellen Gefahrensituationen für das eigene Leben.

Manchmal ergibt sich Flugangst aber einfach auch aus dem Gefühl des Ausgeliefertseins, da man - weit über dem Boden der Realität - wenig Kontrolle über die Situation hat. Das, zusammen mit der fremden Technik und den ungewohnten Geräuschen sowie Abläufen in einem Flugzeug, kann ein Gefühl des Unwohlseins hervorrufen, das je nach individuellen Voraussetzungen zu einer Angst werden kann.

Nachdem erstmalig starke Angstgefühle im Flugzeug aufgetreten sind, ist es für viele Menschen nicht mehr möglich, ein Flugzeug angstfrei zu besteigen. Die Angst setzt sich fest und verstärkt sich in vielen Fällen immer weiter. Andere hingegen können das Angstgefühl nach einem unangenehmen Erlebnis wieder in den Griff bekommen. Das hängt zum Teil mit der Häufigkeit der Flugreisen zusammen. Viele Menschen, die eine starke Angstsituation im Flugzeug erleben und danach wieder positive Flugerfahrungen haben, fliegen schnell wieder angstfrei. Personen, die jedoch eher selten in der Luft sind, haben diese Möglichkeit der raschen und häufigen korrigierenden Erfahrung nicht. Dadurch besteht eher die Tendenz, dass sich die Angst verfestigt.

Was sind die konkreten Symptome?
Oft beginnen die ersten Anzeichen schon nach der Buchung - Tage oder Wochen vor dem eigentlichen Flugtermin. Manche Betroffene verschieben sogar ihre Lebensplanung für die Zeit nach dem Flug- bzw. Rückflugtermin, da sie unbewusst nicht an ein Überleben glauben. Immer wieder werden auch die merkwürdigsten Geschehnisse als Zeichen für ein Unglück gedeutet und am liebsten würden viele den Flug wieder absagen.

Je nach Ausmaß der Flugangst werden die folgenden physischen Symptome beobachtet: feuchte Hände, schweißgebadeter Körper, Herzrasen, Kurzatmigkeit, Übelkeit, Erbrechen und Panikattacken. Auch sehr häufig: Hyperventilation. Um sich zu beruhigen, machen viele Flugangst-Leidende den Fehler, sehr tief zu atmen. Durch die starke Sauerstoffzufuhr kann sich jedoch Schwindelgefühl einstellen, und das löst Angst aus. Als Gegenmittel sollte man die ausgeatmete Luft gleich wieder einatmen. So wird das Gleichgewicht rasch wiederhergestellt.

Was hilft gegen Flugangst?
Angstgefühle oder gar Herzrasen schrecken viele Menschen - ob Gelegenheitsflieger oder routinierter Meilensammler - ab, ein Flugzeug überhaupt zu betreten. Damit schränkt man sich jedoch um seine persönliche Freiheit, zahlreiche schöne Erlebnisse und nicht selten auch um berufliche Möglichkeiten, ein. Das Flugzeug ist heute fast überall ein normales öffentliches Verkehrsmittel.

Vielfach ist ein schrittweises Vorgehen gegen Flugangst sinnvoll: Besuchen Sie einen Flughafen und beobachten Sie die Abläufe sowie die Passagiere - Sie werden so einerseits ganz entspannte Menschen sehen, für die Fliegen Routine ist, andererseits viel Vorfreude, weil am Ankunftsort Angenehmes wartet. Der nächste Schritt kann in einem kurzen Rundflug mit einer kleinen Maschine bestehen. Denn interessanterweise werden rein subjektiv derartige Flüge als weniger gefährlich empfunden, gutes Wetter und optimale Flugbedingungen vorausgesetzt.

Dann kann man testweise einen Flug mittlerer Länge in einem normalen Verkehrsflieger buchen. Warum keinen Kurzflug? Diese finden in geringer Höhe statt und sind so dem Wettergeschehen voll ausgesetzt - daher können sie sehr unangenehm werden.

Sie können auch bei Ihrem Flughafen oder Ihrer Fluglinie anfragen, ob Kurse gegen Flugangst geboten werden. Hierbei bekommt man ganz in Ruhe die Möglichkeit, sich ein Flugzeug am Boden von innen anzusehen und wird mit den Abläufen an Bord vertraut gemacht. Das Ende dieser Kurse stellt meist ein Flug dar, bei dem man dann selbst erleben kann, inwieweit das Angstgefühl besser geworden ist.

Generelle Tipps für Ihren nächsten Flug:

  • Checken Sie am Vortag ein, packen Sie Ihre Koffer ohne Stress und sorgen Sie für eine planmäßige Ankunft am Flughafen. Zusätzlicher Stress sollte unbedingt vermieden werden. Sind Sie trotzdem nervös schnüren Sie die Sportschuhe - Bewegung baut Stress ab!
  • Wählen Sie Flugplätze am Gang oder in der Nähe der Notausgänge, da man sich hier subjektiv sicherer - und nicht "eingesperrt" - fühlt. Auch Sitze ganz vorne in der Nähe des Cockpits können eine beruhigende Wirkung haben.
  • Leiden Sie an starker Flugangst, teilen Sie dies einem Flugbegleiter mit, damit man auf Ihre Bedürfnisse rasch und richtig reagieren kann.
  • Essen Sie ein paar Stunden vor dem Abflug etwas Leichtes. Während des Fluges sollten Sie Mahlzeiten eher vermeiden. Trinken Sie regelmäßig, um Ihren Kreislauf fit zu halten.
  • Setzen Sie sich gerade hin und atmen Sie gleichmäßig. Stellen Sie die Beine fest am Boden ab, um sich zu "erden".
  • Wer sehr nervös ist, kann sich mit Baldrian - oder einem leichten, vom Arzt verschriebenen Beruhigungsmittel - behelfen. Stecken Sie diese griffbereit ins Handgepäck. Keinesfalls sollten Sie Alkohol oder koffeinhaltige Getränke zu sich nehmen.
  • Vergessen Sie nicht, sich abzulenken. Ein gutes Buch oder etwas Musik können Wunder wirken. Auch eine Unterhaltung mit dem Sitznachbarn kann Sie beruhigen.
 krone.at
Redaktion
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