Di, 21. November 2017

Skandal in Bregenz

05.05.2017 16:21

Eizellen vertauscht: Familie verklagt den Arzt

In einer bekannten Fortpflanzungsklinik in Bregenz soll es gleich zweimal zu einer folgenschweren Verwechslung gekommen sein: Betroffen ist eine Familie, beide Töchter wurden durch In-vitro-Fertilisation gezeugt. 2014 hatte die Erstgeborene bereits herausgefunden, dass sie nicht die leibliche Tochter ihrer Eltern ist. Nun kam ans Tageslicht, dass ihr vermeintlicher Vater auch nicht als genetische Erzeuger für die jüngere Schwester infrage kommt. Die Familie verklagt nun den verantwortlichen Arzt. Der Fall erinnert auch an die dramatische Baby-Verwechslung in Graz, die erst nach 25 Jahren aufgedeckt worden war.

Vor drei Jahren hatte die in der Bregenzer Fortpflanzungsklinik gezeugte heute 26 Jahre alte Schweizerin Kristina V. mittels DNA-Test herausgefunden, dass sie nicht mit ihrer vermeintlichen Mutter Miluska V. und ihrer eineinhalb Jahre später zur Welt gekommenen Schwester verwandt ist. Der Vater war zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben, Gewissheit bezüglich seiner Vaterschaft zu erlangen, schien unmöglich. Vor Kurzem erhielt die Familie aber histologisches Material des Vaters von einer Klinik, in der der aus dem früheren Jugoslawien stammende Mann kurz vor seinem Tod operiert worden war.

"Daran hat meine Schwester nie gedacht"
Ein in der Gerichtsmedizin St. Gallen vorgenommener DNA-Abgleich schloss, wie erwartet, die Vaterschaft Tomislav V.s für Kristina V. aus. Allerdings stellte der Test auch fest, dass Tomislav V. auch nicht der genetische Vater von Kristinas Schwester sein kann, die ebenfalls durch eine Behandlungstherapie im IVF-Zentrum des Fortpflanzungsmediziners Herbert Zech gezeugt wurde. "Daran hat meine Schwester nie gedacht", berichtete Kristina V. am Freitag bei einer Pressekonferenz in Bregenz von der immensen Erschütterung innerhalb ihrer Familie. Schließlich hatte 2014 ein DNA-Abgleich die genetische Übereinstimmung mit der Mutter bestätigt.

Mediziner "räumte keinen Fehler ein"
Konfrontiert mit dem erneuten Verwechslungsvorwurf habe Zech nicht eindeutig Stellung bezogen. "Vielmehr schien er den Test zu bezweifeln", berichtete Kristina V. "Einen Fehler hat er auf jeden Fall nicht eingeräumt." Angesichts zweier Verwechslungen innerhalb einer Familie stellte sich die junge Schweizerin auch die Frage, "ob es vielleicht möglich ist, dass auch andere Familien betroffen sind". In ihrem Fall hat die 26-Jährige bereits Klage am Landesgericht Feldkirch eingereicht.

Fortpflanzungsmediziner Zech sah sich in einer Stellungnahme von Freitag von der Familie V. erpresst. Vor wenigen Wochen sei er im Schreiben des Anwaltes davon in Kenntnis gesetzt worden, dass die zweite Tochter des Ehepaares nicht mit ihrem Vater blutsverwandt ist. In demselben Schreiben habe er sich auch mit einer Zahlungsaufforderung in Millionenhöhe konfrontiert gesehen. "Gleichzeitig wurde gedroht, den Vorfall publik zu machen", so Zechs Anwalt Michael Konzett in einer Aussendung.

Anwalt: Arzt will voll zu seiner Verantwortung stehen
Die Sachlage will der Mediziner nun objektiv von einem Gericht klären lassen. Ihm vorliegende Informationen und "ungewöhnliche Vorkommnisse" ließen Zech den gesamten Sachverhalt "kritisch hinterfragen und machen eine Neubewertung notwendig", argumentierte Konzett. Sollte sich dabei herausstellen, dass bei den Behandlungen in den frühen 1990er-Jahren Fehler unterlaufen sind, die zu dieser Verwechslung geführt haben, stehe Zech "voll und ganz" zu seiner Verantwortung.

Bereits 2014 hatte Zach zugegeben, 1990 einen Fehler gemacht zu haben. So habe er vor dem Einsetzen des Embryos die Petrischalen verwechselt, soll der Mediziner damals vor Zeugen erklärt haben. Miluska V. sei deshalb versehentlich die befruchtete Eizelle eines anderen Paares implantiert worden. Das Geständnis liege Kristina V. auch schriftlich vor.

Vergebliche Suche nach leiblichen Eltern
Seit damals ist Kristina V. auf der Suche nach ihren leiblichen Eltern, bisher ohne Erfolg. "Ich glaube noch immer daran, meine Eltern zu finden", zeigte sich die junge Frau am Freitag optimistisch und appellierte an Paare, die sich zwischen 1988 und Juli 1990 einer IVF in Bregenz unterzogen, sowie Menschen, die solche Frauen und Männer kennen, sich mit ihr in Verbindung zu setzen. Für ihre Schwester wünschte sich Kristina V. Meldungen von Männern, die in der Zeit 1988 bis Jänner 1992 im IVF-Zentrum in der Vorarlberger Landeshauptstadt ihren Samen abgaben.

Baby-Verwechslung an Grazer Uniklinik
Der Fall erinnert an die dramatische Verwechslung an der Grazer Uniklinik im Jahr 1990. Damals war Doris Grünwald kurz nach ihrer Geburt vertauscht worden. Erst 25 Jahre später flog der Irrtum durch eine Blutspende auf. Seither sucht Grünwald nach ihrer leiblichen Mutter - bisher vergeblich.

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