Mi, 22. November 2017

Demenzforschung

27.03.2017 15:05

Wirkstoff gegen Alzheimer

Durchbruch bei der Erforschung der Alzheimer-Krankheit: Salzburger Molekularbiologen haben zusammen mit einer amerikanischen Forschergruppe ein Enzym (meist aus Eiweiß bestehend) gefunden, das an den zerstörerischen Hirnprozessen entscheidend mitwirkt. Das könnte zu einer neuen, vielversprechenden Therapieform führen. Ein Wirkstoff wurde bereits entwickelt!

Etwa 100.000 Menschen sind in Österreich an Alzheimer-Demenz erkrankt, in den kommenden Jahrzehnten wird mit einer Verdreifachung der Betroffenen gerechnet. Neben Vergesslichkeit bis hin zur Auslöschung des Gedächtnisses treten auch Persönlichkeitsveränderungen und Verwirrtheit auf, die Patienten früher oder später zum Pflegefall machen. Experten suchen daher weltweit fieberhaft nach einer Therapieform. Von der Universität Salzburg, Fachbereich Molekulare Biologie kommen jetzt hoffnungsvolle Nachrichten: Dort ist es Univ.-Prof. Dr. Hans Brandstetter zusammen mit seinem Team und einer Arbeitsgruppe aus den USA, Emory University, gelungen, einen grundlegenden Entstehungsmechanismus von Alzheimer zu entschlüsseln.

Was im Gehirn passiert
Für diese Demenzerkrankungen sind zwei Formen von Protein(=Eiweiß)verklumpungen im Gehirn typisch, nämlich die außerhalb der Nervenzellen befindlichen "amyloiden Plaques" (Ablagerungen) und solche innerhalb von Zellen, sogenannte Tau-Tangles. Es geht nun darum, die Bildung dieser Stoffe zu verhindern bzw. bereits vorhandene zu beseitigen. Die aktuelle Entdeckung des Enzyms Legumain, das an all diesen Prozessen beteiligt ist, bringt jetzt Klarheit in diese Vorgänge.

Prof. Brandstetter: "Die Faszination besteht u.a. darin, dass nun zum ersten Mal verständlich wird, warum Demenzerkrankungen erst im Alter auftreten, weil nämlich der pH-Wert im Gehirn dann geringfügig saurer wird - was eine entscheidende Voraussetzung für die (Fehl-)Funktion des Enzyms Legumain darstellt!"

Wirkstoff aus dem Labor
Nächster Schritt: Das beschriebene Enzym mittels neuer Therapien hemmen. Die Forscher haben bereits einen Wirkstoff entwickelt, der im Laborversuch imstande ist, nicht nur das Fortschreiten der Alzheimerkrankheit zu verhindern, sondern auch, die Symptome entscheidend zu verbessern. Weitere Studien sind allerdings noch notwendig, bis sich daraus ein Medikament entwickeln lässt.

Karin Podolak, Kronen Zeitung

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden