So, 19. November 2017

Geht mit der Zeit

21.03.2016 09:22

Schweizer Uhrenbranche setzt auf Smartwatches

Lange Zeit hat die traditionsreiche Schweizer Uhrenindustrie Smartwatches als kurzlebige Spielzeuge abgetan. Nun aber will die Branche angesichts der schwächelnden Nachfrage nach analogen Chronometern in den wachsenden Markt für kommunikationsfähige Zeitmesser einsteigen - und sich einen Teil des Kuchens sichern.

Bisher beeinflussten mit dem Internet verbundene Uhren die vor allem auf teure Zeitmesser setzende Schweizer Industrie wenig. Allerdings gelten Smartwatches als das am stärksten wachsende Uhren-Segment. Erstmals wurden im vierten Quartal 2015 mehr Uhren mit Zusatzfunktionen verkauft als klassische Zeitmesser.

Zudem schwächeln die Schweizer Uhrenexporte: Im vergangenen Jahr gingen sie um 3,3 Prozent auf 21,5 Milliarden Franken (19,6 Milliarden Euro) zurück. Nach Schätzungen der Marktforschungsfirma Smartwatch Group soll der Markt für Computer-Uhren mit Internetverbindung und Zusatzfunktionen bis 2020 auf 117 Milliarden Dollar (103,7 Milliarden Euro) wachsen. 2014 waren es gerade einmal 1,3 Milliarden.

Der zum französischen Luxusgüterkonzern LVMH gehörende Uhrenhersteller TAG Heuer will den Markt gemeinsam mit den US-Technologiefirmen Intel und Google erobern. "Wir haben die Nachfrage total unterschätzt", sagte Jean-Claude Biver, der bei LVMH den Bereich Uhren und Schmuck leitet, zu Reuters. Von der TAG Heuer Connected Watch seien die ersten 15.000 Exemplare zu einem Preis von knapp 1400 Franken rasch ausverkauft gewesen.

Im laufenden Jahr will Biver bis zu 50.000 Uhren verkaufen, die in der Schweiz montiert werden. Im nächsten Jahr soll eine Kollektion mit sechs bis acht Modellen auf den Markt kommen. Letztlich könnte bis zur Hälfte des Umsatzes von TAG Heuer auf Computer-Uhren entfallen. "Keiner weiß, was mit Smartwatches passiert."

Tissot stellt erste Smartwatch vor
Der weltgrößte Uhrenhersteller Swatch setzt auf den Alleingang. "Die Swatch Group ist der einzige Schweizer Uhrenhersteller, der eine Smartwatch alleine herstellen kann", sagte Francois Thiebaud, Chef der zum Swatch-Konzern gehörenden Marke Tissot. Die auf der Uhren- und Schmuckmesse Baselworld vorgestellte Tissot Smart Touch sei das erste Modell, das sich mit einem Smartphone verbinden könne und habe im Vergleich zu einer Computeruhr eine viel längere Batterie-Lebensdauer. Sie funktioniere noch, wenn die Technologie von Smartwatches überholt sei, sagte Thiebaud. "Andere Smartwatchs sind Mini-Smartphones. Die Hauptfunktion unserer Uhren ist die Zeitangabe."

Im ersten Jahr sollen 20.000 bis 40.000 Smart-Touch-Uhren verkauft werden. Sie sollen im Spätherbst oder Winter auf den Markt kommen - für rund 1000 Franken (915 Euro) das Stück. Swatch hat bereits eine Uhr mit speziellen Funktionen auf den Markt gebracht und verkauft seit kurzem zudem kommunikationsfähige Swatch-Uhren mit Bezahlfunktion, die zu Preisen von etwas über 100 Franken zu haben sind.

Frauen bislang kaum interessiert
Der Schweizer Juwelier De Grisogono, der mit dem südkoreanischen Elektronikkonzern Samsung kooperiert, präsentierte auf der Messe in Basel eine mit Diamanten besetzte Samsung-Smartwatch, die auch Frauen für das Segment begeistern soll. Bisher sind nach Futuresource-Angaben nur 34 Prozent der Besitzer von Computer-Uhren Frauen. "Das ist etwas ganz Neues in der Kategorie. Es ist eine richtige Luxusuhr", sagte Fawaz Gruosi, der Gründer von De Grisogono. Die Uhr, deren Anzahl limitiert sein soll, kostet allerdings 14.900 Franken - umgerechnet rund 13.600 Euro.

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