Do, 14. Dezember 2017

Riesenskandal

16.07.2015 12:39

Sex in der Umkleide: Online-Porno spaltet China

Heller Aufruhr bei Chinas Zensurbehörde: Ein in der Umkleide einer Pekinger Boutique gedrehtes Sexvideo ist in kürzester Zeit zum Hit im abgeschotteten chinesischen Internet geworden und verbreitet sich rasant über Dienste wie den Twitter-Konkurrenten Weibo. Online-Shops bieten sogar T-Shirts für Fans des Clips an. Den Zensoren geht das zu weit. Sie sehen die Kernwerte des Landes in Gefahr und versuchen, die Büchse der Pandora wieder zu schließen.

"Dieses vulgäre Video hat sich online wie ein Virus verbreitet und verstößt gegen sozialistische Kernwerte", sagt der ranghohe chinesische Zensor Xu Feng. Die Regierung werde "weiterhin hart gegen vulgäres Material vorgehen und die Cyber-Umwelt schützen", verspricht er. Doch es ist zu spät: Das rund eine Minute lange Video, das am Dienstag in Chinas soziale Netzwerke durchgesickert ist, ist längst in aller Munde.

Sexvideo belustigt die Internetnutzer
Das in einer Umkleidekabine der Bekleidungskette Uniqlo aufgenommene Video wurde in nur zwei Tagen millionenfach über soziale Netzwerke geteilt. Jugendliche nehmen Selfies vor der Boutique auf, in deren Umkleide das Video entstand.

Online-Händler haben T-Shirts drucken lassen und machen ein gutes Geschäft mit dem Video, in dem es ein Pekinger Pärchen in der Umkleide überkommt. Und Internetnutzer aller Altersschichten machen Scherze über das Schmuddelvideo aus Peking.

Das offizielle China reagiert empört
Die chinesische Zensur sieht die ganze Aktion freilich nicht so locker. Die Polizei ermittelt und sucht bereits intensiv nach dem Pärchen, das den ganzen Aufruhr auslöste. Die angeblich Zehntausenden Zensoren, die Chinas Internet "sauber" halten sollen, kommen mit dem Löschen nicht hinterher.

Die Bekleidungskette Uniqlo sah sich durch den Skandal dazu genötigt, sich offiziell von der Aktion zu distanzieren. "Wir möchten die Öffentlichkeit daran erinnern, die soziale Moral aufrechtzuhalten und unsere Umkleiden nur in einer korrekten und angemessenen Art und Weise zu nutzen", zitiert der "Guardian" die Stellungnahme. Selbst große Internetprovider gerieten in die Kritik, weil sie zuließen, dass das Video sich so schnell im Netz verbreitete.

Kurioser Zwischenfall, ernster Hintergrund
Für österreichische Beobachter, die Videos kopulierender Jugendlicher in Wiener U-Bahnen gewöhnt sind, mag der Skandal in China seltsam erscheinen. Er hat jedoch einen ernsten Hintergrund: Wie kein anderes Land der Erde versucht das Reich der Mitte, die öffentliche Meinung durch massive Zensur im Netz zu kontrollieren und die "sozialistischen Kernwerte" Patriotismus, Hingabe, Integrität und Freundschaft in den Köpfen der Menschen zu verankern.

In diesem Konstrukt einer heilen sozialistischen Welt ist nicht nur kein Platz für Sexfilmchen, sondern auch für regierungskritisches Gedankengut, westliche Websites wie Facebook oder Google oder generell vom vorgegebenen Kurs abweichende Meinungen. Chinas Bürgern bleibt nur, sich dem Zugriff der Zensur mit technischen Hilfsmitteln wie VPN-Tunneln zu entziehen.

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