Mo, 22. Jänner 2018

Technik-Überblick

09.04.2006 20:37

72.000 Meter Kabel für Europa

Wo bis vor wenigen Wochen noch Walzerpaare über’s Parkett schlitterten, huschen jetzt Staatsmänner und EU-Delegierte durch die Gänge. Für die Übernahme der EU-Ratspräsidentschaft im Jänner musste man die Konferenzräumlichkeiten in Österreich ganz schön auf Vordermann bringen, allen voran die in der Wiener Hofburg. Eine Vielzahl an technischen Geräten und etliche Sicherheitsvorkehrungen traf man auch für den Finanzminister-Gipfel, der am Sonntag stattfand. Wir konnten vorher einen Rundgang durch die mit Technik voll gepackten Konferenzsäle machen...

Für die technische Betreuung der diversen Veranstaltungen, Politikergipfel und Delegiertentreffen hat die österreichische Regierung die Firma Siemens beauftragt. Eben die lud Journalisten vor dem großen Trubel zum Halbzeitresümee vor Ort ein. Neben Siemens liefern auch noch zahlreiche andere Hersteller wie Canon oder Bosch die notwendige Hardware für die Sitzungen.

Tatsächlich: Politiker wollen sich sehen
Im Redoutensaal der Wiener Hofburg fand am Sonntag das hoch dekorierte Finanzministertreffen statt. Rund 72.000 Meter Kabel wurden durch die historischen Gemäuer verlegt um allein die Konversation zwischen den Delegierten zu ermöglichen. Sieben Sprachen werden von Dolmetschern in eigenen Kabinen mit Funkübertragungstechnik simultan übersetzt. Jeder Platz am riesigen Ovalen Tisch ist mit Mikrofon ausgerüstet. Hinzu kommen noch zwei Leinwände und zwei bewegliche Kameras, die in der Mitte der Ministerrunde platziert sind und das Bild des Redners für die Videowall einfangen.

Etwas spartanischer: Die Presse-Räumlichkeiten
Das allein nicht genug, sind in Nebenräumen hunderte Arbeitsplätze für Journalisten aus aller Welt reserviert. Schließlich soll ja auch über die Dinge berichtet werden, die die Herrschaften im Sitzungssaal mehr oder weniger erfolgreich beraten. Internetzugang via LAN und WLAN, Telefone, Drucker und Schreibtische sind nur die wichtigsten Dinge, die vorhanden sein müssen. Das gilt übrigens nicht nur für die Hofburg, sondern auch für sämtliche andere Austragungsorte von großen EU-Veranstaltungen in ganz Österreich.

Unterschiedliche Tastaturen und andere „Extrawürste“
Zu Spitzenzeiten und bei großen Gipfeltreffen laufen dann 3.500 Delegierte und 1.200 Journalisten durch die größten Räumlichkeiten in Salzburg, Bregenz oder eben der Wiener Hofburg. Für sie stehen dann abseits der Konferenztechnik bis zu 500 Telefone, zirka 220 PCs, an die 125 Drucker, ebenso viele Faxgeräte und ca. 50 Kopierer gleichzeitig zur Verfügung. Hinzu kommen noch zahlreiche „Extrawürste“ in den Delegiertenbüros, wenn sie mit PCs ausgestattet sind: Software muss oft in der Muttersprache vorhanden sein, dazu kommt dann auch, dass eine Grieche eine andere Tastatur braucht als ein Franzose und so weiter. Ganz schön viel Aufwand für ein bisschen Politik...

Und was kostet das alles?
Wie viel Geld Siemens - oder besser gesagt die österreichische Regierung - dafür ausgegeben hat, wollte man den Journalisten aber nicht verraten. Es würden viele Gerätschaften auch nach der EU-Präsidentschaft weiterverwendet werden. Die Zahlen wären deshalb nicht repräsentativ, hieß es.

Ein BLICK hinter die Kulissen: In den drei Diashows findest du alle Kuriositäten und die technischen Gerätschaften, die während der Treffen in der Wiener Hofburg benötigt wurden.


Text & Fotos: Christoph Andert

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