Di, 12. Dezember 2017

Video gegen Mobbing

11.02.2015 16:06

19-Jähriger wurde über Nacht zum Facebook-Star

Das Netz hat einen neuen Facebook-Star: Ein 19-Jähriger mit dem Pseudonym Benjamin Drews ist fast über Nacht zum Internetphänomen geworden, weil er in einer Videobotschaft ein Zeichen gegen Mobbing setzt. Auf handgeschriebenen Zetteln erinnert er seine Mitmenschen daran, dass jeder Mensch gleich viel wert ist. Das hat ihm nicht nur den Respekt anderer Facebook-Nutzer, sondern auch anderthalb Millionen Videoabrufe und Tausende neue Freunde beschert.

Mobbing ist kein neues Phänomen, und doch ist es im Zeitalter der sozialen Medien brisanter denn je. Die psychische Misshandlung von Menschen hört heute nicht auf, wenn der Schul- oder Arbeitstag endet. Sie setzt sich in den sozialen Medien rund um die Uhr fort, viele Jugendliche – und auch Erwachsene – zerbrechen an den Anfeindungen ihrer Altersgenossen und Kollegen. Manche Opfer – etwa die Kanadierin Amanda Todd – trieb der virtuelle Spießrutenlauf schon in den Tod.

In Deutschland hat nun ein 19-Jähriger ein Zeichen gegen diesen menschenverachtenden Trend gesetzt. Unter dem Pseudonym Benjamin Drews hat sich der Bursch mit einer berührenden Botschaft gegen Mobbing in die Herzen der Facebook-Gemeinde katapultiert. 1,5 Millionen Menschen haben das Online-Video des Ostfriesen bereits angeklickt, Tausende haben es geteilt und auf "Gefällt mir" geklickt:

"Leute, niemand ist weniger wert!"
Drews kennt Mobbing aus eigener Erfahrung, wie er gegenüber dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" erklärte. Umso wichtiger war es ihm, seine Botschaft in die Köpfe der Menschen zu transportieren: "Leute, niemand ist weniger wert, nur weil er: eine Behinderung hat, vielleicht nicht viel Geld hat, vielleicht nicht so klug ist, vielleicht nicht die beste Figur hat, schwul, lesbisch oder bi ist, eine andere Hautfarbe hat, einen anderen Glauben hat, eine andere Herkunft hat."

Menschen wegen solcher Äußerlichkeiten zu mobben, sei nicht akzeptabel. Opfer "verletzen ihren Körper, da sie denken, dass sie anders sind. Sie haben Selbstmordgedanken!", warnt Drews die Facebook-Gemeinde.

Er spricht aus Erfahrung: Die Anfeindungen seiner Altersgenossen haben ihn bis zur Selbstverstümmelung getrieben. Drews hatte sich, als er dem permanenten Druck nicht mehr standhalten konnte, mit einer scharfen Klinge in den Unterarm geritzt. Entsprechend schwer war es für den 19-Jährigen, mit seinem Appell an die Öffentlichkeit zu gehen. "Ich habe befürchtet, dass es wieder anfängt, das Mobben, die Hänseleien und der ganze Mist."

Mobbing betrifft die ganze Gesellschaft
Doch es kam anders: Auf Facebook brandete ihm eine Welle der Solidarität entgegen. Viele Facebook-Nutzer kannten das Gefühl, gemobbt zu werden. Kein Wunder: Aktuellen Studien zufolge wird einer von 25 Schülern in Deutschland von seinen Altersgenossen gemobbt, in Österreich dürfte die Quote ähnlich hoch sein. Und auch unter Erwachsenen ist Mobbing Alltag: Einer Studie aus Karlsruhe zufolge kennt jeder dritte Erwachsene Mobbing aus eigener Erfahrung, jeder zehnte wurde auch im Netz bereits gemobbt.

Den zahlreichen Betroffenen ist die Botschaft von Drews immerhin ein kleiner Mutmacher. "Nur gemeinsam können wir etwas tun", appellierte der junge Friese an die Netzgemeinde. Und sie hat etwas getan: In Zigtausenden Facebook-Chroniken taucht das Video von Drews derzeit als Mahnmal gegen Mobbing auf und gibt Betroffenen das Gefühl, nicht allein zu sein. Eine starke Leistung.

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