Di, 21. November 2017

Deutet Körpersprache

26.09.2013 09:54

Barkeeper-Roboter „James“ erkennt durstige Kunden

Gedämpftes Licht, ein Wirrwarr von Gesprächen und laute Musik: Barkeeper müssen mit allerlei Störungen klarkommen, wenn sie ihre Kunden bedienen. Vor allem müssen sie in dem Getümmel erkennen, welcher Gast bedient werden will und wer nicht. Wie ihnen dabei die Körpersprache der potenziellen Kunden hilft, hat ein Forschungsteam der Universität Bielefeld jetzt analysiert. Die Forschungsergebnisse flossen in die Programmierung eines Barkeeper-Roboters namens "James" ein.

"James" steht für "Joint Action in Multimodal Embodied Systems" (gemeinschaftliches Handeln in multimodalen Systemen mit Körpern) und ist zugleich der Name eines seit Anfang 2011 laufenden EU-Projekts, in dem Forscher aus Bielefeld, Edinburgh, Kreta und München einen Roboter entwickeln, der Getränke an einer Bar serviert.

Anders als sein Name vielleicht nahelegt, hat "James" nur wenig mit einem britischen Butler gemein: Sein Kopf besteht aus einem Tablet, auf dessen Display sich virtuelle Augen und ein Mund synchron zur Sprache bewegen. Montiert ist er auf einem metallenen Körper, der mit einem Arm ausgestattet ist und auf einem Stativ steht. Seine Aufgabe: Bestellungen entgegenzunehmen, um dann mit seinem Arm das Getränk zu greifen und dem Kunden zu reichen.

Barkeeper-Roboter analysiert Körpersprache
Die Herausforderung dabei: Der Barkeeper-Roboter soll künftig Abläufe beherrschen, die für Menschen selbstverständlich sind. "Damit er auf Kunden angemessen reagieren kann, muss er in der Lage sein, das soziale Verhalten von Menschen zu erkennen", erklärt Professor Jan de Ruiter von der Uni Bielefeld. Und "James" soll intuitiv genutzt werden können, sodass keine Anleitung nötig ist.

Ausschließlich auf Sprache zu achten, würde das System im Lärm einer Bar oder Diskothek jedoch überfordern, also lernt der Roboter, auch Körpersprache zu deuten. "Wir arbeiten daran, ihn mit der Fähigkeit auszustatten, zu erkennen, wann ein Kunde seine Aufmerksamkeit wünscht", sagt de Ruiter. "Dafür haben wir erforscht, wie ein Bestellvorgang im tatsächlichen Leben abläuft."

"James" muss Bestellwunsch erkennen
Anhand von Videos ermittelten die Wissenschaftler Signale, die Kunden üblicherweise einsetzen, um die Aufmerksamkeit des Barkeepers zu erregen, und solche, die selten genutzt werden und damit kaum zum Erfolg führen. Demnach schauen Kunden nur in weniger als sieben Prozent der Fälle in ihre Geldbörse, um ihre Bestellbereitschaft zu zeigen. Weniger als vier Prozent der Kunden winken dem Barkeeper zu, wenn sie bestellen wollen. Die erfolgreichen Signale sind weniger offensichtlich: Die Kunden stellen sich in mehr als 90 Prozent aller Fälle an die Theke und drehen sich möglichst frontal in Richtung der Bar.

Das Forschungsteam fand zudem heraus, dass genau dieses Verhalten von Besuchern vermieden wird, die nicht bestellen wollen. Unbewusst halten sie einen kleinen Abstand zur Theke und wenden sich von ihr ab – zum Beispiel, wenn sie einen Gesprächspartner ansehen. "Das bedeutet, dass die Kunden selbst zwischen Bestellverhalten und Nicht-Bestellverhalten unterscheiden", sagt Psychologe und Studienautor Sebastian Loth.

Keine Chance für durstige Vordrängler
Auf Basis der Befunde wurde die Programmierung von "James" angepasst. "Er spricht jetzt nur noch Besucher an, die durch ihre Position und Körperhaltung eindeutig zu erkennen geben, dass sie bestellen wollen", sagt Loth. Erst dann fragt "James" in gehobenem Englisch: "How can I help you?" Drängler haben bei ihm übrigens keine Chance: "James" geht fair vor, indem er speichert, wer zuerst sein Bestellinteresse bekundet und wer später dazu kommt.

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