Sa, 18. November 2017

Ständig in Gefahr

08.08.2012 12:16

Report: Kinderarbeit und Schläge bei Samsung-Fertiger

Die Aktivistengruppe China Labor Watch hat in einem Report zahlreiche Missstände beim chinesischen Samsung-Fertiger HEG aufgedeckt. Demnach stünden Kinderarbeit und Misshandlungen an der Tagesordnung, eine medizinische Versorgung gebe es nicht (im Bild ein verletzter HEG-Arbeiter). Samsung verspricht, die Arbeitsbedingungen zu überprüfen.

Bei HEG werden Handys, MP3-Player und weitere Geräte für Samsung hergestellt. Die Zustände in einer Fabrik hat China Labor Watch nun in einem 31-seitigen Bericht aufgedeckt.

Demnach habe man mit Undercover-Kontrolleuren unter anderem mehrere Kinderarbeiter entdeckt, insgesamt gebe es allein in der untersuchten Fabrik vermutlich zwischen 50 und 100 minderjährige Arbeiter, so der Bericht. Die Kinder müssen demnach unter denselben harten Bedingungen wie Erwachsene arbeiten, erhalten aber nur 70 Prozent des Lohns. Zudem werden sie besonders oft für gefährliche Arbeiten mit hohem Verletzungsrisiko eingesetzt.

Ständige Misshandlungen
Misshandlungen sind laut China Labor Watch in der Fabrik an der Tagesordnung - schon für kleine Fehler gebe es Schläge, Arbeiter würden gezwungen, den ganzen Tag zu stehen oder selbstkritische Aufsätze zu verlassen. Zudem müssten die Arbeiter ständig fürchten, plötzlich entlassen zu werden.

Lange, gefährliche Arbeitstage
Die Arbeitstage bei HEG sind dem Report zufolge lang: Elf Stunden pro Tag an sechs Tagen die Woche sei normal, heißt es. Arbeitern am Fließband sei während dieser ganzen Zeit das Hinsetzen verboten. Dazu kommen gefährliche Arbeitsbedingungen, zum Beispiel werden nur einmal am Tag Arbeitshandschuhe ausgegeben, und extreme Hitze.

Keine ärztliche Versorgung
Ärztliche Versorgung oder wenigstens einen Erste-Hilfe-Kasten gebe es aber nicht, so China Labor Watch. Wer krank werde, sei auf sich allein gestellt. Einer ehemaligen Arbeiterin, eigenen Angaben zufolge erst 14, sei nach einem Sturz der Krankenstand verweigert worden, stattdessen habe man ihr sechs Tage des Gehalts abgezogen. Dies sei auch bei einer anderen kurzen Erkrankung der Fall gewesen.

Abzug für aufmerksame Arbeiter
Ebenfalls Geld abgezogen wird den Arbeitern ironischerweise, wenn sie Fehler bei einem Samsung-Produkt melden. 500 Yuan (63 Euro) pro Gerät verliert ein Arbeiter - ein kleines Vermögen bei dem HEG-Grundgehalt von 1.150 Yuan pro Monat.

Samsung verspricht Nachforschungen
Samsung hat sich zu dem Bericht bereits geäußert, berichtet das "Laptop Magazine" online. Man habe dieses Jahr bereits zweimal Inspektionen von HEG-Fabriken durchgeführt und keine Unregelmäßigkeiten entdeckt, so Samsung. Dennoch werde man "zum frühestmöglichen Zeitpunkt" eine weitere Untersuchung der Arbeitsbedingungen vor Ort durchführen. Man lege Wert auf "höchste Standards bei den Arbeitsbedingungen" und versuche, diese in eigenen Fabriken wie jenen von Partnerunternehmen weltweit durchzusetzen.

Samsung ist nicht das erste Elektronikunternehmen, das durch Missstände bei Fertigern in die Kritik gerät. Vor allem der Apple-Zulieferer Foxconn machte wegen schlechter Arbeitsbedingungen und einer daraus resultierenden Selbstmordwelle Negativschlagzeilen. Apple versucht seither verstärkt, höhere Standards durchzusetzen.

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