So, 19. November 2017

Verschmelzung

21.05.2010 12:28

Google TV soll das Internet ins Fernsehen bringen

Google will den Fernsehmarkt aufmischen und schaffen, woran viele andere schon gescheitert sind: TV und Web miteinander zu verschmelzen. Googles Vision: Fernsehprogramm und Internetdienste sollen auf dem TV-Gerät nahtlos ineinander übergehen können. Die Plattform dafür heißt Google TV. Sie soll zunächst in einige Sony-Fernseher eingebaut werden, steht aber auch anderen Partnern offen. Google erhofft sich damit ein Stück vom riesigen Markt der Fernsehwerbung.

Das Fernsehen entzog sich bisher weitgehend den Veränderungen, mit denen das Internet andere Medien überrollte. Während das Netz für immer den Musikmarkt veränderte, die Buchbranche in Angst vor Raubkopien lebt und die Printmedien sinkende Auflagen hinnehmen müssen, hat sich im Fernsehen deutlich weniger getan.

Klar, es gibt Festplatten-Rekorder, TV über das Internet und Video-Websites wie YouTube, doch die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung macht es wie immer: Die Menschen bleiben bei ihren gewohnten Kanälen und Sendungen, richten sich nach den Zeiten des Fernsehprogramms und verbringen vor dem Fernseher immer noch deutlich mehr Zeit als im Internet.

Bisherige Versuche gescheitert
Seit Jahren verkünden Technologie-Propheten unter dem Stichwort "Konvergenz", dass Fernsehen und Internet zusammenrücken werden. Doch alle Anläufe sind bisher weitgehend erfolglos geblieben. Microsofts Windows Media Center blieb ein Nischenprodukt, der Chipriese Intel stellte seine Initiative "Viiv" für vernetzte Geräte ein und auch wenn man auf einigen Samsung-Fernsehern derzeit Wetterprognosen oder Sport-Ergebnisse aus den Netz sehen kann: ein "echtes" Internet-Erlebnis ist es nicht.

Und nun kommt Google mit seinem Plan für das Fernsehen der Zukunft. Mittels Google TV soll es möglich sein, beispielsweise eine Fernsehsendung anzusehen und gleich danach Videos von YouTube oder einer anderen Internet-Plattform aufzurufen. Oder der Nutzer lässt sich die Fernsehübertragung in einem kleineren Fenster anzeigen und ist gleichzeitig im Internet unterwegs.

Milliardenschwerer Werbemarkt lockt
Und genau hier käme die Stärke von Google zum Zuge: Die Dominanz bei der Online-Werbung. "Unsere Werbung ist zielgerichtet", betonte Konzernchef Eric Schmidt gegenüber dem US-Fernsehsender Fox. So könne Google viel besser dafür sorgen, dass über den Fernseher der interessierte Nutzer angesprochen werde, statt wie heute alle Zielgruppen mit den gleichen Werbeclips zu berieseln.

"Das sollte einen Haufen Geld wert sein", sagte Schmidt. Um welche Summen es geht? Allein in den USA, Googles Hauptmarkt, fließen jährlich 70 Milliarden Dollar in TV-Werbung.

Konkurrenz für Nokia und Apple
Dazu kommt: Die TV-Plattform läuft auf Basis von Googles Handy-Betriebssystem Android. Das heißt, die Mobiltelefone können problemlos in Googles neue Fernsehwelt eingebunden werden. Und wie ein Google-Manager nebenbei bemerkte, werden derzeit jeden Tag 100.000 Android-Handys freigeschaltet. Ließe sich dieses Tempo ein Jahr lang durchhalten, käme das Betriebssystem in Reichweite des weltgrößten Handy-Herstellers Nokia.

Vor allem verschärft Google mit dem ambitionierten Projekt aber die Rivalität mit Apple, der mit seinen iPhones, iPads und der Wohnzimmer-Box Apple TV in ähnlicher Richtung unterwegs ist. Über Apple TV kann man Filme und Videos aus Apples iTunes-Store oder von YouTube auf den Fernseher holen - hat aber keinen vollen Zugriff auf das Internet. Bisher bezeichnete Apple-Chef Steve Jobs das im Vergleich etwa zum iPhone-Handy mäßig erfolgreiche Gerät stets nur als "ein Hobby". Das könnte sich mit Googles Vorstoß schlagartig geändert haben.

Zuschauer als größte Hürde zum Erfolg
Neben der Konkurrenz sieht Gartner-Analyst Andrew Frank auch andere Unwägbarkeiten für das Google-Projekt - unter anderem die Fernsehzuschauer. "Ganz offensichtlich gibt es keine große aufgestaute Nachfrage, am Fernsehen durch das Web zu surfen, sonst würden wir das schon tun", argumentierte er.

Außerdem werde Google noch deutlich mehr Gerätehersteller als Partner gewinnen und mit Wettbewerbshütern verhandeln müssen. Und die TV-Werbemilliarden seien bereits zwischen vielen Playern der Branche verteilt, die Google nicht gerade einen roten Teppich ausrollen werden.

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