Das freie Wort

Hausarrest statt Gefängnis

Mit großem Befremden habe ich den Medien entnommen, dass Signa-Gründer René Benko aus der Haft in den Hausarrest mit Fußfessel wechseln durfte. Ist den verantwortlichen Behörden bewusst, welches Leid hier verursacht wurde? Es geht längst nicht nur um den Schaden für den Staat. Es geht um viele tausend Menschen, die ihr Leben lang ehrlich gearbeitet haben. In Österreich, aber auch in Deutschland, wurde, wie das Beispiel kika/Leiner zeigt, eines der bedeutendsten Möbelhäuser offenbar bewusst und geplant in den Ruin getrieben. Die Folge: Tausende Arbeitnehmer standen plötzlich vor dem Existenzminimum. Familien mit Kindern, die versorgt werden mussten, Mieten für Wohnungen, Kredite für das Eigenheim, die weiterliefen und teilweise nur durch einen Notverkauf zu stemmen waren. Unvergessen bleiben auch die Lieferanten und Fabriken, deren gelieferte Ware nicht bezahlt wurde. Wie viele Firmen mussten deshalb zusperren und in Folge Mitarbeiter entlassen? Hinzu kommen die Handelsagenten, die nur auf Provisionsbasis arbeiten. Sie hatten Spesen, leisteten die Arbeit, die Ware zu verkaufen, Einkäufer und Verkäufer zu schulen. Als die Produkte nicht bezahlt wurden, mussten sie die bereits erhaltenen Provisionen an die Erzeuger wieder zurückzahlen. Währenddessen kassierten Finanzamt und Sozialversicherung erbarmungslos weiter. Viele haben diese schwere Zeit nicht überstanden. Sogar etablierte Firmen und Zulieferer gingen in Konkurs. Und für all das gibt es nun als Konsequenz eine Fußfessel im eigenen Zuhause? Diese Entscheidung lacht den Geschädigten geradezu ins Gesicht. Dass jemand ruhig in seiner Zelle sitzt, darf kein Grund für eine Freilassung sein. Das alles war mutmaßlich über Jahre bewusst aufgebaut, vermutlich die größte Gaunerei auf dem Rücken der kleinen Leute. Wer vermutlich Zehntausende Menschen geschädigt und deren Lebensgrundlage zerstört hat, mit Folgen, die bis heute andauern, muss streng und ohne Bevorzugung bestraft werden. Eine kleine Zelle ohne Vorteile wäre hier angebracht, nicht der Hausarrest. Bei einer solch geringen Strafe wird es sonst bald wieder neue Benkos geben.

Günter Kerngast, per E-Mail

Erschienen am Sa, 17.10.2026

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