Alarmstimmung an der Grenze zu Lettland: Dort sollen für kurze Zeit bewaffnete „Schwarze Russen“ eingedrungen sein. Dabei handelt es sich um eine bislang unbekannte Gruppe, die sich mittlerweile zu der Aktion bekannt hat.
In einem auf Telegram verbreiteten Video erklärt ein Sprecher, der sich „Neman“ nennt: Der Vorfall sei ein Test gewesen, doch die Letten seien durchgefallen. „Bald werdet ihr etwas Ähnliches an anderen Abschnitten unserer Grenze sehen“, ist er laut dem lettischen Sender „LSM“ siegessicher.
Am 6. Oktober hatte eine bewaffnete, maskierte Gruppe dem lettischen Innenministerium zufolge Migranten von Belarus in Richtung der lettischen Grenze gedrängt. Da Grenzsoldaten aus dem baltischen Staat intervenierten, traten die Maskierten wenig später ihre Rückreise an.
„Schwarze Russen“ drohen auch EU
Deutlich erfolgreicher waren sie beim nächsten Mal. Medienberichten nach sollen sie die Grenze überquert, auf lettischem Hoheitsgebiet einen Verteilerschrank beschädigt sowie Überwachungskameras gestohlen haben. Danach kehrten sie nach Belarus zurück. „Die Europäische Union und die NATO sind ein Koloss auf tönernen Füßen, der nach unserem ersten Schlag zusammenbrechen wird“, spottet „Neman“ von den „Schwarzen Russen“.
Die Europäische Union und die NATO sind ein Koloss auf tönernen Füßen, der nach unserem ersten Schlag zusammenbrechen wird.
„Schwarze Russen“
Aus Kenner-Kreisen sickert durch, dass hinter der Gruppierung russische und belarussische Geheimdienste stehen. „Ich kann mir schwer vorstellen, dass da jemand agiert und das mit der belarussischen Regierung nicht abgesprochen ist“, erzählte der Osteuropa-Experte Alexander Friedmann gegenüber „ntv“.
Gewaltsame Vorfälle mit Migranten, die bewusst an die NATO-Ostgrenze geschleust werden, sind keine Seltenheit. Der lettische Innenminister Janis Dombrava zeigte sich darüber bestürzt, dass die jüngste Aktion besonders „demonstrativ und aggressiv“ gewesen sei.
Parallelen zur Krim-Annexion
Die Ereignisse lassen Erinnerungen an die Krim-Annexion im Jahr 2014 wach werden. Dort tauchten zunächst in grüne Tarnkleidung gehüllte bewaffnete Personen ohne Hoheitszeichen auf. Später gingen sie mit der Bezeichnung „Grüne Männchen“ um die Welt. Sie besetzten Verwaltungsgebäude, Polizeistationen und militärische Einrichtungen auf der Krim. Dies war die Basis für die spätere Einverleibung der Schwarzmeer-Halbinsel.
Bereits seit geraumer Zeit macht sich in der NATO die Sorge breit, dass Russland erneut auf diese Taktik zurückgreifen könnte – diesmal auch innerhalb des Bündnisses. Kritiker orten bereits jetzt eine Eskalation des hybriden Krieges durch Kreml-Chef Wladimir Putin.
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