Das freie Wort

Die Rechnung wurde selbst geschrieben

Die Probleme bei VW kommen nicht völlig überraschend. Jahrelang galt offenbar die Devise: mehr Technik, mehr Ausstattung, höhere Löhne, höhere Kosten und am Ende wird die Rechnung einfach an den Kunden weitergereicht. Doch irgendwann funktioniert dieses Geschäftsmodell nicht mehr. Ein Auto ist heute teilweise ein rollender Computer. Assistenzsysteme, Displays, Sensoren und immer neue elektronische Funktionen treiben die Kosten nach oben. Die entscheidende Frage wird dabei viel zu selten gestellt. Braucht der Kunde das alles wirklich und kann er es sich noch leisten? Gleichzeitig wird die Produktion in Europa immer teurer. Energie, Lohnkosten, Bürokratie und Abgaben belasten die Unternehmen. Außerhalb Europas wird dagegen wesentlich kostengünstiger produziert. Wenn dann chinesische Hersteller mit preislich attraktiven Fahrzeugen auf den europäischen Markt drängen, darf man sich über den zunehmenden Wettbewerbsdruck nicht wundern. Besonders problematisch ist, wenn steigende Kosten mit immer höheren Verkaufspreisen bekämpft werden sollen. Das funktioniert nur so lange, wie die Kunden mitspielen. Wer aber für ein normales Familienauto mittlerweile Summen bezahlen soll, die früher für ein kleines Haus oder eine Wohnung gereicht hätten, muss sich nicht wundern, wenn sich die Menschen zurückhalten. Auch bei den Löhnen braucht es eine ehrliche Diskussion. Faire Bezahlung ist wichtig. Aber Lohnsteigerungen müssen langfristig durch entsprechende Produktivität und Wertschöpfung erwirtschaftet werden. Sonst wird Arbeit am Ende so teuer, dass Unternehmen gezwungen sind, Produktion zu verlagern oder Stellen abzubauen. Österreichs Zulieferindustrie sollte deshalb nicht nur darauf hoffen, dass VW und andere deutsche Hersteller ihre Aufträge aufrechterhalten. Neue Partnerschaften, auch mit chinesischen Autobauern, können eine Chance sein. Noch wichtiger ist aber, die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Denn eines sollte inzwischen jedem klar sein: Man kann die Kosten nicht endlos nach oben treiben und gleichzeitig erwarten, dass der internationale Markt diese Rechnung bezahlt. Irgendwann sagt der Kunde: zu teuer. Und dann hilft auch die beste Technik nicht mehr. Die Rechnung ist keine Überraschung. Sie wurde über Jahre selbst geschrieben, jetzt wird sie nur präsentiert.

Hans-Peter Hauer, Haid

Erschienen am Di, 8.9.2026

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