Das freie Wort

Memoiren eines Arbeiterkindes

Babler kommentiert, was er als Kind alles nicht hatte. Nun, ich, Geburtsjahr 1953, wuchs auch nicht mit dem goldenen Löffel auf, meine Eltern arbeiteten im Gasthaus meiner Großeltern mit, welches sie später übernahmen. Als Selbstständige arbeiteten sie dann selbst und ständig, ein 16-Stunden-Tag war zu dieser Zeit Standard. Damals war bei uns Russenzone, also kann man sich vorstellen, oder auch nicht, wie es damals war. Man hatte weder Handy noch Computer. Wir hatten keinen Spielplatz. Unsere Spielplatz war z. B. Wald, Wiese, der Bach, Höhlen udgl. Und es ging uns auch nichts ab, hatte doch jeder dasselbe. Mein erstes Fahrrad war ein altes hergerichtetes Waffenrad, welches damals schwerer war als ich, und man stelle sich weiter vor, wir trugen damals auch Kleidung von Geschwistern, Vettern und Basen, welche denen zu klein wurde, keine Designerwäsche. Auch wurden wir nicht von Papi, Mami oder einem Schulbus bis vor die Schultüre kutschiert (daher plagte die meisten von uns auch kein Übergewicht). Im Gegenteil, meine Frau hatte als Volksschülerin einen Schulweg von mehr als einer Stunde, mit zwei Bergwertungen. Dadurch wurde sie zur Waldläuferin, welche infolge zweimal den Wanderpokal des Leobersdorfer Geländelaufes für die Weissenbacher Hauptschule gewann. Das am Rande. Der Großteil meiner ehemaligen Kollegen erlernte einen Beruf, und soweit mir bekannt, rutschte keiner von diesen auf die schiefe Bahn, und sie leisteten ihren Beitrag dem Staat gegenüber. Also, der Andreas war sicher nicht das einzige Arbeiterkind, dem vermutlich was abging. Im Gegensatz zu uns und unserer Kindheit.

Franz Umgeher, Weissenbach

Erschienen am Di, 17.9.2024

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