Kaum hat man am Morgen unaufgeregt seine Tagezeitung aufgeschlagen, schon wird man von deren Inhalt fast erdrückt. Die wichtigsten Seiten, eins bis zwei, sind fast ausschließlich mit Beiträgen ausgestattet, die gelinde ausgedrückt, nicht meiner eigenen Lebensauffassung entsprechen. Ausführlich wird darin berichtet, wie sich ehemalige Politiker oder deren Berater, ohne jedwede Skrupel zu verspüren, Vorteile verschaffen, die nicht nur strikt abzulehnen sind, sondern auch rechtlich geahndet gehören. Da wird Postenschacher auf höchstem Niveau zelebriert, man versucht, falsche Angebote zu legen, um lukrative Aufträge zu ergattern, die man ansonsten nicht erhalten würde, oder man benützt ein verlässliches Netzwerk, um seine angepeilten Ziele zu erreichen. Heutzutage Politik zu betreiben ist für die meisten Neueinsteiger nur noch ein gutes Sprungbrett, um in dieser Branche mit einer tollen Karriere reüssieren zu können. Salbungsvoll verspricht man der Bevölkerung, Tag und Nacht nur für sie da zu sein, es wird mit Halbwahrheiten agiert, und öfters schrammt man dabei an Lügen vorbei, die, jedoch mit einem am Ende gesetzten Fragezeichen, letztendlich noch strafrechtlich in Ordnung sind. Wo sind die Werte der Nachkriegszeit, als man mit den meisten Menschen, die auch damals verschiedene politischen Ansichten vertraten, noch normal reden konnte, viele der Wohnungstüren nicht verschlossen waren und wo man sich gegenseitig half, die schwere Zeit zu überwinden, um gemeinsam etwas Neues aufzubauen. Ich habe den Krieg und die Nachkriegszeit selbst erlebt, deswegen tut es mir von Herzen weh, wenn ich heute erleben muss, wie scheibchenweise die Werte der Demokratie mit Füßen getreten werden und in der heutigen Politik der Anstand und die Ehre nicht mehr jenen Stellenwert besitzen, den man sich eigentlich wünschen würde. Die Menschen in diesem schönen Land Österreich haben es nicht verdient, von der Politik so auf die Seite geschoben zu werden, nur um die Macht deren Parteiapparats zu festigen, aber dabei zu übersehen, dass man auch in diesem Lande Wahlen verlieren kann.
Karl Schnalzger, Bad Häring
Erschienen am Mi, 3.5.2023
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