Kinderarmut in Österreich, ja, wer ist denn davon betroffen? Sind damit wirklich Kinder gemeint, die nicht „auf die Bahamas fliegen können“, wie ich zuletzt in einem Leserbrief einer Wienerin lesen musste? Noch immer gibt es Menschen, die Kinderarmut nicht sehen und verächtlich über die Betroffenen reden oder es einfach nicht glauben, dass es so etwas gibt. Kinderarmut ist leider für 268.000 Kinder und Jugendliche (die Zahlen werden aufwendig europaweit erhoben, sogenannte EU-SILC-Daten) bittere Realität. Das ist übrigens beinahe jedes 4. Kind in Österreich. Ich komme selbst aus einer armen Familie. Auch für mich und meinen Mann war es nicht leicht, unseren beiden Kindern die Chancen zu ermöglichen, die anderen selbstverständlich in die Wiege gelegt werden. Kinderarmut bedeutet, dass am Ende des Monats nur noch Billignudeln mit Tomatensauce auf den Tisch kommen. Dass man auf den Urlaub, auf den sich andere freuen, verzichten muss, um die Heizrechnung zu bezahlen. Dass die eigenen Kinder gehänselt werden, weil man sich den Zahnarzt (z. B. Zahnspange) nicht leisten kann. Kinderarmut heißt nicht nur, wenig Geld zu haben (die Armutsgrenze liegt derzeit bei 1371 Euro, für jedes Kind kommen etwa 410 Euro hinzu). Man kommt von Beginn an schwerer durchs Leben, leidet unter einem schlechteren Gesundheitszustand und ist im Bildungsweg benachteiligt. Und das in einem der reichsten Länder der Welt. Für manche ist es einfacher, abfällig auf in Armut aufgewachsene Menschen herabzuschauen, als sich dem Umstand zu stellen, dass das reichste Prozent der Bevölkerung bis zu 50 Prozent des gesamten Vermögens besitzt. Mein Mann und ich sind deshalb zwei von sechs Etappen bei der „Tour de Chance“ der Volkshilfe mit dem Fahrrad mitgefahren. Insgesamt 268.000 Meter sind Mitarbeiter der Volkshilfe und Freiwillige von Salzburg nach Wien geradelt, um die Dimension sichtbar zu machen, wie viele Kinder in Österreich von Armut betroffen sind. Die Volkshilfe macht so etwas nicht, weil es lustig ist. Jeden Meter entlang der Strecke würde ein armutsbetroffenes Kind stehen. Mir haben die zwei Etappen von Salzburg nach Linz, immerhin 144 km, schon gereicht. Es ist höchste Zeit, Kinderarmut mit der Einführung einer Kindergrundsicherung abzuschaffen. Das heißt im Klartext: Man staffelt die Kinderbeihilfe nach dem Einkommen der Eltern oder der erziehenden Person. Und nicht wie jetzt: gleich viel für Arm und Reich. Einen gerechten Schlüssel müsste die Regierung ausarbeiten. Dafür bin ich geradelt.
Christa Albrich, Munderfing
Erschienen am Sa, 15.10.2022
Liebe Leserin, lieber Leser,
die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen das krone.at-Team
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
Liebe Leserin, lieber Leser,
die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.