Eigentlich sollte meine Reise nach Südengland ein erfreuliches Wiedersehen mit England werden, doch diese artete postwendend und ungewollt in eine Post-Brexit-Mission aus: Nach der Durchreise durch Deutschland, Belgien und Frankreich bot sich für mich nach Jahren jenseits des Kanals, schon beginnend mit Dover, rein optisch ein desaströses Bild – hier Wohlgeordnetheit und dort Rückständigkeit, was die Baulichkeiten und die verschmutzen Innenstädte etwa in Brighton und Exeter sowie die Verkehrsinfrastruktur anbelangte. Auf der Rückreise erlebte ich zudem den Stau von zig Kilometern von Urlauberautos und Lkw am Ärmelkanaltunnel in Richtung hinaus und kaum Verkehr in Richtung Großbritannien. In zahlreichen Gespräche meinerseits mit „Leuten von der Straße“ wurde immer geäußert, dass es mit ihrem Land immer schlechter bestellt sei und alles sich derzeit nur zum Schlechteren verändert habe. Es flossen sogar Tränen und das meistverwendete Wort war „(Brexit-)Lüge“. Für mich als Anglisten verstärkte sich der Eindruck, dass der sog. Brexit mit all den perfiden Versprechungen eigentlich ein Putsch der englischen Upper Class war, einer privilegierten Oberschicht, die noch immer ihren alten imperialen Fantasien nachhängt. Deren Clown und Eton-Snob Johnson und seine Vorgänger erledigten dann in gelernter dialektischer Rhetorik die Arbeit. Das „gemeine Volk“, die unterprivilegierten Klassen, zahlt nun die Rechnung. Mit ihrer Besserwisserei waren sie auch immer ein Bremsklotz in der Europäischen Einigungspolitik – die ja in ihrer Gründungsidee ein Friedensprojekt ist. Und man hat mit dem Brexit auch diese Idee über Bord geworfen, eigentlich ein Verrat an Gesamteuropa! Neben dem Euro und offenen Schengen-Grenzen hatte man seinerseits auch aktiv die EU-Sozialcharta boykottiert, die soziale Mindeststandards festsetzt. Wohl auch deshalb gibt es heute dort eine bei uns so unbekannte ungebildete und verproletisierte Unterschicht, die mit Gehorsamsübung samt einer strikten Loyalität zur Queen diszipliniert sowie mit viel Fußball und Wochenend-Besäufnissen „billig abgespeist“ wird. Ich befinde mich zufrieden und beschützt wieder zu Hause, und alle Kritiker der Europäischen Gemeinschaft lade ich ein, einmal auf einen kurzen Besuch über den Kanal zu jetten. Ich empfinde keine Schadenfreude gegenüber dem Königreich, nein, eher kommt Wut auf, denn die Rechnung für diese Überheblichkeit zahlen hier die Schwächsten und die Ärmsten.
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