Nawalny, durchaus eine etwas zwielichtige Gestalt, erhält den Menschenrechtspreis, eine fertige Gasleitung (Nord Stream 2) soll „aus Menschenrechtsgründen“ nicht in Betrieb genommen werden, die Olympischen Spiele in Peking werden von offiziellen Vertretern vieler Länder ebenfalls wegen Menschenrechtsverletzungen boykottiert – die Liste ließe sich fortsetzen. Ich frage mich allen Ernstes, ob diese Maßnahmen wirklich zu einer besseren Welt und zur Entspannung zwischen den großen „Playern“ auf diesem Planeten beitragen. Ich denke, dass mit Provokationen wie im Fall Nawalny oder mit Boykottmaßnahmen das Klima eher vergiftet wird, als dass man nun China oder Russland zu braven, die Menschenrechte achtenden Staaten „erzieht“. Und die USA als selbst ernannte „Obermoralisten“ haben ja auch genug „Dreck am Stecken“, wenn man an die rassistischen Vorfälle oder an die Erstürmung des Kapitols denkt. Der beste Weg ist nicht immer, Härte zu zeigen und Sanktionen zu beschließen, bei denen meistens ohnehin die breite Masse des Volkes zum Handkuss kommt. Auch wenn es oft schwierig ist, sollte man aufeinander zugehen, miteinander verhandeln und unterschiedliche Systeme bis zu einem gewissen Grad tolerieren. „Durchs Redn keman d‘Leit zaum“ – diesen Spruch sollte man beherzigen, und man könnte damit vielleicht mehr erreichen.
Karl Aichhorn, Mauthausen
Erschienen am So, 19.12.2021
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