Der SPÖ-Bezirksparteivorsitzende des 9. Bezirkes, Gesundheitsstadt Peter Hacker, stürzt zu Hause und greift am nächsten Morgen zum Telefon. Schon rasen vier Rettungen durch den Alsergrund. Der Wirbel um den leicht verletzten Polit-Promi muss Anlass geben, eine Wiener Unart zu kritisieren: In der Bundeshauptstadt sind viele Autos der Rettungsorganisationen durchgehend mit Blaulicht unterwegs. Die geltende Straßenverkehrsordnung gibt das aber nicht her, denn Einsatzfahrzeuge dürfen Blaulicht und Folgetonhorn nur bei Gefahr im Verzug verwenden. Im Klartext: nur bei dringenden Einsätzen und nicht bei terminlicher Überlastung. Diese Blaulicht-Unart führt zu einer kompletten Abstumpfung der Verkehrsteilnehmer. Selbst bei zusätzlicher Verwendung des Folgetonhorns glaubt niemand mehr an einen Notfall. Die Häufigkeit dieser trommelfellzerreißenden Raserei über rote Ampeln lässt Nicht-Wiener vermuten, die Bundeshauptstadt werde gerade wieder von den Alliierten bombardiert.
Dr. Wolfgang Geppert, Wien
Erschienen am Mo, 20.9.2021
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