Das freie Wort

Wo ist das Korrektiv?

Wenn Salzburg so weitertut, verliert es bald seinen Anspruch auf ein ernst zu nehmendes Festival, oder wie die Frau Präsidentin nicht müde wird zu tönen: „Die besten Festspiele der Welt“. Es ist schon eine große Kunst, den „Jedermann“ so an die Festspielhauswand zu fahren und zu zerstören, wie die heurige Aufführung zeigt. Seit 1920 ist dieses Mysterienspiel, das allen Salzburgern heilig ist, Hauptbestandteil der Festspiele, und damit haben sie auch begonnen. Jetzt, nach mehr als 100 Jahren, ist das Stück nicht mehr wiederzuerkennen und wird zur Pawlatschen heruntergespielt. Da nützen auch keine Großschauspieler wie Lars Eidinger und Verena Altenberger, die halb nackt auf der Bühne herumtanzen, wo man auch gut die Sender mit den Antennen betrachten kann. Großartige Schauspieler wie Maximilian Schell und Senta Berger brauchten keine Sender, denn die hatten eine kultivierte Bühnensprache, die sogar den großen Domplatz ausfüllte. Ich frage mich, wo ist das künstlerische Korrektiv der Festspielverantwortlichen, die solche Aufführungen zulassen? Wie schreibt der Kulturredakteur Heinz Sichrovsky in seiner Kritik so richtig: „ ... eine wirkliche Neuinszenierung wäre jetzt gefragt!“ Oder wäre vielleicht sogar eine „Altinszenierung“ noch besser?

Josef Blank, Elsbethen

Erschienen am Di, 20.7.2021

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