Frau Hannelore Stelzhammer aus Mattighofen hat in einem interessanten Leserbrief mit dem Titel „Kindheitserinnerungen aus der Nachkriegszeit“ ihr einfaches Landleben beschrieben. Unter anderem erwähnt sie auch die Besatzungszeit. Sie hatte aber das Glück, nicht im Osten Österreichs aufwachsen zu müssen, sondern lebt im Westen: „Nach dem Krieg waren die Amerikaner Besatzungsmacht in OÖ, und wir Kinder haben die GIs nur von ihrer besten Seite kennengelernt. Wenn sie mit ihren Lkws und Jeeps durch unsere Stadt fuhren, warfen sie uns großzügig Schokoladetafeln zu.“ Ich habe das Leben auf einem kleinen Bauernhof in der Nachkriegszeit ähnlich in Erinnerung, ich lebte jedoch in der Sowjetzone. Von 1945 bis 1955 hatten wir – meine Großeltern, meine Eltern, meine Schwester und ich – ständig Angst vor den Russen, selbst noch während des Aufstandes in Ungarn 1956. Daher war der 8. 5. 1945 für sehr viele Menschen im Osten Österreichs bestimmt kein Tag der Freude. Eine Ausnahme war die „Befreiung der Häftlinge in den Konzentrationslagern“ (z.B. Mauthausen). Man freute sich, dass der Krieg zu Ende war, aber man fühlte sich weniger befreit als vielmehr besetzt, als nämlich die Sowjetsoldaten bei uns meist plündernd einmarschiert sind. Leute, wie unsere Politiker (Regierung plus Opposition), die den 8. Mai jährlich als Freudentag feiern, sollten bedenken, dass ein Tag, ab dem die Sowjetbesatzungssoldaten für 10 lange Jahre bei uns „gewütet“ haben, maximal ein Datum zum Nachdenken, Erinnern und Gedenken ist, aber bestimmt nicht zum Feiern und Freuen! Diese Feiernden sind alle viel zu jung, fast alle von ihnen waren zu dieser Zeit noch nicht einmal auf der Welt, um diese Zeit miterlebt zu haben, und Geschichte dürften sie – frei nach BK Kreisky – auch nicht gelernt haben! Ich würde mich schämen, einen solchen Tag als „Freudentag“ zu feiern, übrigens, der ORF feiert ebenfalls jährlich das „Fest der Freude“ auf seinem Kultursender.
Mag. Anton Bürger, per E-Mail
Erschienen am So, 10.5.2020
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