Wenn der 20. Jänner kommt, dann sagt der Volksmund: „Zu Sebastian fängt der Saft (Obstbäume) zu steigen und die Vögel zu singen an.“ Die Balzrufe der Vogelmännchen hört man leider von Jahr zu Jahr immer seltener. Mit dem Rückgang der Insektenpopulation wird das Nahrungsangebot für unsere gefiederten Freunde immer kleiner. Reinigt man die Nistkästen, so findet man immer mehr tote Nestlinge, die verhungert sind. Die Vögel suchen gezielt nach großen und kleinen Höhlen in Stämmen, die vom Sturm zerzaust, von einem Blitz gestreift oder durch den Schneedruck ramponiert wurden. Von diesen wunden Pflanzen profitiert die Vogelwelt. Wenn starke Äste dürr werden, Klüfte aufspringen, die Borke platzt und sich Faulstellen in den Stamm fressen, verbessert sich gleichzeitig das Angebot an Nahrungsquellen, und die Zahl an Versteck- und Brutplätzen steigt. Leider gibt es in unseren aufgeräumten Gärten keine alten toten Bäume mehr – die Lebensgrundlage für die typischen Höhlenbrüter wie Meisen, Rotschwänze, Schnäpper und Spechte. Blieben tote dicke alte Bäume ohne Äste (Unfallverhütung) stehen, so wäre das Lebensraum für besonders gefährdete Arten wie Wiedehopf, Steinkauz, Dohle oder Blauracke. Mit der Vernichtung von Todholz wird auch die Lebensgrundlage vieler Käfer und Insekten, die als Nahrung unserer Vögel dienen, zerstört.
Heinrich Metz, Gmunden
Erschienen am Mi, 8.1.2020
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