Mit sehr großem Interesse verfolge ich die Diskussionen zur bevorstehenden Nationalratswahl am 29. September. Es hat fast etwas Romantisches, wenn der ehemalige Bundeskanzler das Volk dazu aufruft, Produkte aus der Region und Bio zu kaufen. Es wirkt wie ein Versuch, sich aus der Verantwortung zu ziehen, da auch das nächste Freihandelsabkommen namens Mercosur am Ende aus wirtschaftlichen Gründen von der Europäischen Union abgesegnet wird. Nur scheint Herr Sebastian Kurz hier ein wenig weit weg vom Volk zu sein. Es muss ihm doch schon seit Längerem bekannt sein, dass 10 Prozent der Österreicher mehr Vermögen als die restlichen 90 Prozent der österreichischen Bevölkerung zusammen haben. Viele Leute müssen jeden Euro des Monatsbudgets dreimal umdrehen, bevor sie ihn ausgeben, und schauen, wie sie über die Runden kommen. Diese Menschen haben nicht die Möglichkeit, die teureren einheimischen oder gar Bio-Produkte zu kaufen. Mercosur wird ihnen allerdings die Möglichkeit bieten, billigeres Fleisch zu kaufen, und zum Billigsten werden sie auch weiterhin greifen müssen! Solange eine solche Ungleichstellung in der Vermögensverteilung in Österreich existiert, braucht Herr Kurz nicht an ein soziales Gewissen des Volkes gegenüber den österreichischen Landwirten zu appellieren. Jeder, der ein geringes Einkommen hat und diesen Appell hört, muss sich verarscht fühlen! Die Politik hat in erster Linie die Aufgabe, solche Handelsabkommen nicht zuzulassen, und in zweiter Linie dafür zu sorgen, dass regionale, gesündere Lebensmittel für jeden Staatsbürger leistbar sind. Übrigens: Auch der Großteil der Gastronomen wird weiterhin das billigste Produkt kaufen, oder wie wäre es sonst zu erklären, dass noch immer über 50 Prozent der in Österreich konsumierten Eier aus Legebatterien stammen?
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