BAWAG-Prozess

550.000 Euro-Geldgeschenk von Elsner

Österreich
21.01.2008 17:51
Hat Helmut Elsner dem früheren Konsum-Chef Hermann Gerharter ein Geldgeschenk in Höhe von 550.000 Euro in einer Tasche zukommen lassen oder nicht? Licht in diese Causa sollte am 58. Verhandlungstag im BAWAG-Prozess durch neue Zeugenaussagen gebracht werden. Elsner bestreitet das Geldgeschenk, Gerharter hat sich bereits schuldig bekannt, das Geld angenommen zu haben. Ausgleichsverwalter Jan Wiedey will nichts von dem Geld wissen, und eine ehemalige Elsner-Sekretärin sagt, Gerharter nie im Büro Elsners gesehen zu haben. Weil noch zwei weitere Zeugen befragt werden sollen, hat Richterin Claudia Bandion-Ortner den Prozess gegen den ehemaligen Konsum-Chef auf 30. Jänner vertagt.

Die beiden Mitarbeiter, die bei der Aufklärung helfen sollen, an wen die am 12. März 2003 vom Gerharter-Sparbuch behobenen über 560.000 Euro ausbezahlt worden sind, sollten eigentlich schon am Montagnachmittag befragt werden. Einer der beiden ist aber nicht mehr bei der BAWAG tätig, die andere befinde sich gerade in Karenz, berichtete Bandion-Ortner. Einen eigenen Verhandlungstag zur Gerharter-Sache wolle sie aber nicht mehr machen, so die Richterin.

Niemand will von Geldgeschenk wissen
Jan Wiedey, der ab 1995 gemeinsam mit den Ausgleichsverwaltern die Konsum-Insolvenz abgewickelt hatte, sagt am Montag in der Verhandlung, vom Geldgeschenk nichts gewusst zu haben.

Er sei auch einigermaßen erstaunt gewesen, als er davon gehört habe, so Wiedey. Er sei eigentlich davon ausgegangen, dass das Management der BAWAG vom Vergleich gewusst habe und Gerharter damit eine ausreichende Befriedigung seiner Ansprüche erhalten habe. Aus dem Vergleich sei Gerharter mit 17 Millionen Schilling (1,235 Millionen Euro) brutto abgefertigt worden, ausbezahlt worden seien etwa 990.000 Euro.

Elsner kann sich an Gespräch nicht mehr erinnern
Im Jahr 2000 habe er Elsner auch einmal persönlich getroffen. Dabei sei es um das Thema Gerharter-Abfertigung gegangen. Es sei ein freundliches Gespräch gewesen. Elsner habe gesagt, er finde, dass Gerharter sehr ungerecht behandelt werde und es nur gerecht wäre, wenn er in Höhe der Konsum-Quote abgefertigt werde. Er habe damals gemeint, dies gehe aus verschiedenen Gründen nicht, und so seien sie auch verblieben. Damals sei keine Rede davon gewesen, dass die BAWAG Gerharter helfen wolle. Elsner kann sich heute nicht mehr an ein solches Gespräch erinnern.

Als zweite Zeugin wurde die früherer Elsner-Sekretärin Sandra Rogatsch befragt. Rogatsch ist jene Sekretärin, die für Elsner auch nach dessen Pensionierung noch die persönlichen Konten weitergeführt hat. Sie könne sich nicht erinnern, dass Gerharter irgendwann einmal im Büro von Elsner gewesen sei. Sie kenne ihn persönlich nicht, nur von Telefonaten. Gerharter betonte, Frau Rogatsch sicher gesehen zu haben, persönlich kenne er sie aber auch nicht. Rogatsch kann sich auch an keine Plastiktasche erinnern, in der Gerharter nach eigenen Angaben die 550.000 Euro ausgehändigt bekommen hat.

Der "zehnte Angeklagte"
Konsum-Generaldirektor Gerharter war bereits am 24. Oktober einen Tag lang der "zehnte Angeklagte" im BAWAG-Prozess gewesen. Die Anklage wirft Elsner in dieser Causa einen weiteren Fall von Untreue vor, Gerharter und der ehemalige Generalsekretär der BAWAG, Peter Nakowitz, sind wegen des Geldgeschenkes als Beitragstäter angeklagt. Für alle Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung.

Das Verfahren in dieser Causa war ursprünglich nur für einen Tag angesetzt gewesen. Weil die Richterin aber weitere Zeugen hören will, wurde es wieder in den BAWAG-Prozess einbezogen. Gerharter hatte erst Anfang 2007 - nach Bekanntwerden der inkriminierten Vorgänge der Bank - insgesamt 707.000 Euro zurückbezahlt.

Gerharter bekannte sich schuldig
Gerharter bekannte sich bereits am ersten Verhandlungstag in dieser Causa im Oktober im Sinne der Anklage schuldig. Elsner habe ihm am 12. März 2003 das großzügige Geldgeschenk in Höhe von rund 550.000 Euro förmlich aufgedrängt, sagte Gerharter. Der Ex-BAWAG-Chef habe ihm schon 2002 versichert, man werde ihm wegen der Prozesskosten nach seinen beiden Strafverfahren in Folge der Konsum-Pleite "helfen". Daran anschließend habe Elsner auch noch die Glattstellung seines Konto bei einer BAWAG-Filiale in Mödling in die Wege geleitet und einen schriftlichen Forderungsverzicht der BAWAG veranlasst.

Elsner bestreitet Geldgeschenk
Elsner bestreitet, dass es das behauptete Geldgeschenk überhaupt gegeben hätte. "Das ist ja lächerlich! Dann hätte ich Senilität im Endstadium!", so ein erboster Elsner damals. Gerharter belaste ihn zu Unrecht. Auch der in dieser Causa als Beitragstäter angeklagte ehemalige BAWAG-Generalsekretär Peter Nakowitz bekannte sich im Oktober "nicht schuldig".

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