Die Flugzeit von Wien nach Bangkok beträgt etwa 10 1/2 Stunden. Ein (regulär gebuchtes) Economy-Ticket nach Thailand und retour kostet bei den Austrian Airlines etwa 1.000 Euro, will man vorne sitzen, kommt man schon auf 3.000 Euro. Pro Person, versteht sich natürlich.
Dafür kredenzt auch ein eigener Koch an Bord der Boeing köstliche Haubenküche! Wie etwa Wiener Erdäpfel-Pilz-Schaumsüppchen, Seezunge mit Kapern-Limetten-Butter und Selleriepüree oder ein saftiges Steak. Davor reichen die Flugbegleiter verschiedene Antipasti und danach drei Süßspeisen zur Auswahl vom Wagen. Dazu gibt es auch den passenden edlen Tropfen. Von Champagner über Rot- und Weißwein bis hin zu Cognac, Grappa oder Whiskey.
Gusenbauer selbst „nicht aktiv geworden“
Um die Mehrkosten von 3.000 Euro beim Hinflug für sich, seine Tochter und Lebensgefährtin Eva Steiner zu sparen, löste der Bundeskanzler (Monatsgehalt rund 20.000 Euro) kurz vor dem Abflug in den Weihnachtsurlaub Gutscheine ein. Sechs an der Zahl, weil es sich um einen Langstreckenflug gehandelt hat. Eigentlich in der Sitzreihe 10 gebucht, habe man ihn noch auf dem Flughafen informiert, dass in der vollbesetzten Business-Class doch noch drei Plätze frei geworden wären. Er selbst sei aber nicht aktiv geworden, um dieses Privileg zu genießen.
Fakt ist, dass Alfred Gusenbauer als langjähriger Besitzer einer "Senator-Karte" alle zwei Jahre zwei dieser so genannten Vouchers geschenkt bekommt. Für diesen Sonderstatus müsste man eigentlich mit der AUA binnen 12 Kalendermonaten 100.000 Meilen, das sind umgerechnet 160.000 Kilometer, fliegen. Was einer Entfernung von knapp 20 Flügen Wien-Thailand entsprechen würde. Selbst für den Regierungschef kann sich das im Gegensatz zu anderen "Senatoren" - großteils hochrangige Personen aus der Privatwirtschaft - trotz der vielen Auslandsreisen aber nie und nimmer ausgehen. Weil diese auch zumeist per Privatjet erfolgen...
Kanzler-Sprecher kündigt „völlige Transparenz“ an
Wieso also dieses Privileg? Um bei der Flug-Affäre nicht vollends abzustürzen, versucht der Sprecher des Bundeskanzlers zu erklären: "Meines Wissens hat die gesamte Bundesregierung eine ,Senator-Karte’ von der AUA bekommen. Etwa 200 bis 300 Karten wurden verschenkt", so Stefan Pöttler. Er kündigt nun "völlige Transparenz" an. Auch eine Rückgabe der Senator-Karte mitsamt den restlichen Gutscheinen werde nun überlegt. Livia Dandrea von der Austrian-Airlines-Pressestelle will zu den vermeintlichen Privilegien für Politiker nur so viel sagen: "Wer aller eine Senator-Karte besitzt, können wir aufgrund des Datenschutzes nicht bekannt geben."
Erinnerungen an die „Bonusmeilen-Affäre“
Vor sechs Jahren sorgte in Deutschland eine "Bonusmeilen-Affäre" für Schlagzeilen. Gemeinsamkeit der betroffenen Politiker war, dass sie alle dem sehr linken Spektrum der Parteienlandschaft angehören.
So wie Gregor Gysi (damals PDS), der als Wirtschaftssenator auf politischen Dienstreisen erworbene Bonus-Flugmeilen für private Reisen verwendet hatte. Einige Monate nach Bekanntwerden der Affäre trat Gysi von allen Ämtern zurück. Heute ist er gemeinsam mit Oskar Lafontaine im Bundestag Chef der Linksfraktion.
Ebenfalls aus der Senator-Klasse stürzte damals der enge Vertraute von Außenminister Joschka Fischer, Cem Özdemir - innenpolitischer Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen. Nach Veröffentlichungen über die unzulässige Verwendung dienstlich erworbener Bonusmeilen legte Özdemir im Juli 2002 sein Amt nieder. Zwei Jahre später tauchte er aus der politischen Versenkung wieder auf: als grünes Mitglied des Europäischen Parlaments.
Auch der Fraktionschef der Grünen, Rezzo Schlauch, flog auf: mit einem Privatflug für einen Urlaub aus Bonusmeilen. Rezzo Schlauch überwies nach heftiger Kritik die Summe für das ersparte Ticket an den Bundestag - und stellte sich 2005 nicht mehr der Wahl.
Von Christoph Budin und Claus Pándi, Kronen Zeitung











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