"Auszeit" verordnet

Arzt schickt BAWAG-Richterin auf Kur

Österreich
05.01.2008 14:16
Ehe der BAWAG-Prozess fortgesetzt wird, hat Richterin Claudia Bandion-Ortner eine "Auszeit" verordnet bekommen. Auf dringendes Anraten ihres Arztes wird sich die BAWAG-Richterin in der kommenden Woche auf Kur begeben. Der weitere Verhandlungsplan ist dadurch aber nicht gefährdet.

Der Prozess gegen den ehemaligen BAWAG-Generaldirektor Helmut Elsner und neun Mitangeklagte wird am 15. Jänner wieder aufgenommen und soll bereits im Februar finalisiert werden.

Richterin Bandion-Ortner leidet seit längerem an Diabetes. Die Verhandlungsführung im BAWAG-Prozess und der damit verbundene berufliche Stress dürften sich negativ auf ihre Gesundheit ausgewirkt haben: Ihre Zuckerwerte hatten sich zuletzt deutlich verschlechtert, sodass ihr Arzt ihr eine dreiwöchige Kur nahe gelegt haben soll.

Die Richterin musste jedoch in der verhandlungsfreien Zeit - der BAWAG-Prozess war am 28. November in eine Pause gegangen - umfangreiche Protokollberichtigungen vornehmen. Pro Verhandlungstag waren 100 bis 120 Seiten aufzuarbeiten und auf allfällige Schreibfehler, Unklarheiten und Aussparungen zu überprüfen, was bei bisher 54 Verhandlungstagen die Lektüre von mehreren tausend Seiten erforderlich machte. Diese zeitraubende Arbeit hat Bandion-Ortner in der vergangenen Woche abgeschlossen, das Hauptverhandlungsprotokoll befindet sich nunmehr am aktuellen Stand. Um im Prozessfinale fit zu sein, gönnt sich die Richterin nun eine zumindest einwöchige Kur.

Ende des Prozesses Mitte Februar möglich
Ein Abschluss des BAWAG-Prozesses in erster Instanz ist Mitte Februar denkbar. Für die Schlussvorträge des Staatsanwalts und der Strafverteidiger wären ein bis zwei weitere Tage zu veranschlagen, die danach folgende Beratung des Schöffensenats über Schuld und Strafe dürfte jedenfalls mehrere Tage in Anspruch nehmen.

Die Anklage legt den ehemaligen BAWAG-Generaldirektoren Helmut Elsner und Johann Zwettler, dem früheren BAWAG-Aufsichtsratspräsidenten und ÖGB-Finanzchef Günter Weninger, dem Investmentbanker Wolfgang Flöttl, den ehemaligen BAWAG-Vorstandsmitgliedern Peter Nakowitz, Christian Büttner, Hubert Kreuch und Josef Schwarzecker sowie dem Bilanzprüfer von der KPMG, Robert Reiter, der die Jahresabschlüsse der BAWAG geprüft hatte, in abgestufter Form Untreue und Bilanzfälschung zur Last. Das Strafgesetzbuch sieht dafür im Falle von Schuldsprüchen bis zu zehn Jahre Haft vor. Elsner muss sich zudem wegen schweren Betrugs verantworten. Ex-Konsum-Boss Gerharter ist wegen Beteiligung an Untreue angeklagt.

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