Manipuliertes TV?
Berlusconi: Geheime Allianz mit Staatsfernsehen
Wie aus abgehörten Telefongesprächen hervorgeht, sollen Berlusconi und seine Mitarbeiter in den Jahren 2004 und 2005, als der TV-Zar noch als Ministerpräsident im Amt war, eine okkulte Strategie mit Spitzenvertretern der RAI ausgearbeitet und deren Programme und politische Berichterstattung maßgeblich beeinflusst haben.
Absprachen unter Chefredakteuren
Zwischen dem damaligen Chefredakteur der Tagesschau von RAI 1, Clemente Mimun, und seinem Amtskollegen bei den Mediaset-Nachrichten TG 5, Carlo Rossella, sollen täglich Informationen ausgetauscht worden und Vereinbarungen für eine Berlusconi-freundliche Berichterstattung getroffen worden sein. Auch der Ex-Direktor von RAI 1, Fabrizio Del Noce, sei mit im Bund gewesen.
"Plicht der Unabhängigkeit wurde missachtet"
Die Telefongespräche der TV-Manager und Chefredakteure wurden im Rahmen einer Untersuchung über die Pleite einer Meinungsforschungsgesellschaft aufgezeichnet und teilweise von der römischen Tageszeitung "La Repubblica" veröffentlicht. Nach dem "Repubblica"-Bericht leitete die RAI eine interne Untersuchung ein.
"Die Pflicht des Staatsfernsehens, dem Land eine unabhängige Berichterstattung zu garantieren, ist zutiefst missachtet worden. Dasselbe gilt für die Prinzipien der freien Konkurrenz", kritisierte Walter Veltroni, Chef der Regierungspartei (Demokratische Partei). Der Fall beweise, dass eine Staatsfernsehens-Refor dringend notwendig sei.
Mediaset: "Alles ganz normal"
Mediaset wies die Vorwürfe logischerweise zurück. "Dass RAI und Mediaset sich scharfe Konkurrenz machen, ist jedem klar. Es ist normal, dass Chefredakteure verschiedener Tagesschauen in Verbindung stehen und Meinungen austauschen", betonte das Verwaltungsratsmitglied der Mediaset, Gina Neri. Man werde Klage wegen Verleumdung einreichen.
Der Chefredakteur des TG 5, Carlo Rossella, wies die Vorwürfe ebenfalls zurück. "Ich bin seit 40 Jahren Del Noces Freund. Ich spreche mit ihm über alles Mögliche, auch über Politik", sagte Rossella, der derzeit den Posten des Präsidenten der Berlusconi-Filmproduktionsgesellschaft Medusa bekleidet. Die Forza Italia sprach von einer neuen Kampagne zur Vernichtung von Berlusconis Mediengesellschaft.



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