16.11.2007 17:47 |

Milliardenklage

Milliardenklage gegen Chiquita

Gegen den nordamerikanischen Bananenkonzern Chiquita ist in den USA eine Klage wegen Unterstützung von Terroristen eingereicht worden. Knapp 400 kolumbianische Familien fordern Schadenersatz in Höhe von umgerechnet 5,3 Milliarden Euro. Chiquita hat in den Jahren 1997 bis 2004 kolumbianische Paramilitärs mit einem Millionenbetrag unterstützt, um seine Plantagen zu schützen. Die Milizen werden in Kolumbien für Massaker mit Hunderten von Toten verantwortlich gemacht. Chiquita hat alle Vorwürfe zurückgewiesen, man sei zu Schutzgeldzahlungen gezwungen worden, hieß es am Freitag in einem Statement.

Der Anwalt Jonathan Reiter (Foto) wirft dem Milliarden-Unternehmen vor, die ultrarechten „Vereinigten Selbstverteidigungsgruppen Kolumbiens“ (kurz: AUC) finanziell unterstützt und ihnen so indirekt die Folter und Tötung von Angehörigen der Kläger ermöglicht zu haben.

Chiquita hatte schon im März dieses Jahres zugegeben, die zum Schutz der Bananenplantagen in Kolumbien eingesetzten AUC-Milizen zwischen 1997 bis 2004 mit einem Millionen-Betrag unterstützt zu haben. Wenig später erklärte sich das Unternehmen bereit, dem US-Justizministerium 25 Millionen Dollar Strafe wegen des Verstoßes gegen die Anti-Terror-Gesetze zu zahlen. Doch das ist den Angehörigen der Opfern nicht genug. Für die indirekte Finanzierung von Massakern soll der US-Banenenkonzern jetzt Verantwortung in Milliardenhöhe übernehmen.

Chiquita sieht sich als Opfer von Erpressung
Die AUC beging in ihrem Kampf gegen linksgerichtete Rebellen Massaker mit Hunderten von Toten. Die US-Regierung setzte die kolumbianische Gruppierung Ende 2001 auf die Liste von Terrororganisationen. Nach einem Abkommen mit der Regierung in Bogotá schlossen die Paramilitärs erst im vergangenen Jahr offiziell ihre Entwaffnung ab.

Laut Klageschrift wird der Schadenersatz für „Terrorismus, Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Folter und unrechtmäßigen Tod“ gefordert. Chiquita betonte bis zuletzt, dass man die Zahlungen an die AUC nicht freiwillig geleistet habe, sondern erpresst wurde. Das Unternehmen sei auch von linksgerichteten Rebellen zur Zahlung von Schutzgeldern genötigt worden. Chiquita hat sich seit 2004 aktiv aus Kolumbien zurückgezogen und seine Plantagen in dem südamerikanischen Land verkauft.

Statement von Chiquita im Wortlaut:

"Chiquita Brands International weist grundsätzlich die durch die betreffenden Anwälte erhobenen Anschuldigungen zurück. [...] Die von Chiquita ergriffenen Maßnahmen erfüllten nur einen einzigen Zweck: Das Leben unserer Angestellten und ihrer Familien zu schützen. 
 
Die Anwälte verzerren in grober Weise den Grund der von Chiquita in Kolumbien geleisteten Zahlungen. Unser Unternehmen war gezwungen, derartige Zahlungen sowohl an links- als auch rechtsgerichtete paramilitärische Organisationen zu erbringen, um das Leben unserer Mitarbeiter zu schützen. Dies geschah in einer Zeit, in der Entführungen und Morde häufig vorkamen und die Behörden nicht in der Lage waren, Sicherheit und Schutz zu gewährleisten. 
 
[...] Zu den Hunderten von dokumentierten Angriffen durch links- und rechtsgerichtete illegale Gruppierungen zählt auch das Massaker an 28 unschuldigen Chiquita Mitarbeitern im Jahre 1995: Auf dem Weg zur  Arbeit gerieten sie mit ihrem Bus in einen Hinterhalt und wurden getötet. Darüber hinaus wurden 1998 zwei unserer Plantagenarbeiter kaltblütig ermordet – während Kollegen gezwungen wurden zuzuschauen."  
 
Die Zentralregierung und das Militär waren, trotz aller Bemühungen, nicht in der Lage, die kolumbianische Bevölkerung vor den paramilitärischen Gruppen zu schützen. Somit
verschlechterte sich die Sicherheitslage insbesondere in ländlichen Gegenden zunehmend und unser Unternehmen war gewzungen, Sicherheitszahlungen zu leisten, um die Sicherheit unserer Arbeiter zu gewährleisten. Alle Behauptungen, dass diese Zahlungen irgendeinem anderen Zweck dienten, entsprechen in keinster Weise der Wahrheit. [...]"

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