Fall Luca

Prozess noch vor Weihnachten

Österreich
11.11.2007 15:40
Der kleine geschundene Körper von Luca tat vor einer Woche im Spital seinen letzten Atemzug. Auf der Kinderintensivstation des Wiener SMZ Ost - angehängt an Schläuche und Kanülen - endete so ein grauenhaftes Martyrium, das sich über Monate hingezogen hatte. 17 Monate alt wurde der Säugling, dem das Lächeln aus dem Gesicht geprügelt wurde. Der von jenen missbraucht und misshandelt wurde, die ihn schützen sollten. Und auch Ämter - so scheint es - schauten weg. Der Prozess gegen die Mutter und deren Lebensgefährten soll noch vor Weihnachten beginnen.

In der kurzen Zeit seines Lebens musste der kleine Luca einen unvorstellbaren Leidensweg erdulden. Sein Lächeln, seine zarte Gestalt, die kleine Hände und auch klägliches Wimmern konnten ihn nicht vor jenen schützen, deren kranken Grausamkeiten und todbringender Willkür er hilflos ausgeliefert war.

Während jetzt der mutmaßliche Täter beim Gericht in Korneuburg (NÖ) hinter Gittern auf seinen Prozess wartet, darf die Mutter des laut Obduktionsbericht missbrauchten und schwer misshandelten Bubens weiter im Freien umherspazieren.

Die zuständigen Behörden - in das erschütternden Drama um Luca waren Jugendämter in Tirol und in Niederösterreich sowie Psychologen, Gutachter und Richter involviert - vertrauen wohl auf einen Freibrief. Darauf, dass Arroganz und Unvermögen nicht bestraft werden. Frei nach dem Motto: Eine Behörde (Justiz) kratzt doch der anderen (Jugendamt) kein Auge aus.

Und laut Dr. Friedrich Köhl von der Staatsanwaltschaft Korneuburg gibt es derzeit auch keine Erhebungen gegen amtliche Vertreter, indes wird das familiäre Umfeld des Buben von den Beamten der Kriminalaußenstelle Korneuburg weiter durchleuchtet.

Der Tatverdacht richtet sich ausschließlich gegen Lucas Mutter und gegen ihren in U-Haft befindlichen Lebensgefährten. Dem Arbeiter und der Frau drohen wegen des Verdachts des Verbrechens der Körperverletzung mit tödlichem Ausgang bis zu zehn Jahre Haft. Erschwerend kommt vor dem Schöffensenat die Ausnutzung von Wehrlosigkeit und Hilflosigkeit hinzu.

Der Prozess soll noch vor Weihnachten starten. Ein Weihnachten, das Luca, dessen Folterungen zumindest seit 8. Juli amtlich bekannt waren, nicht erlebt.

Von Florian Hitz

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