Kampf um die Liebe

Wie Jane Austen zu Jane Austen wurde

Kino
14.11.2007 16:13
„Geliebte Jane“ erzählt vom amourösen Wendepunkt im Leben der jungen Jane Austen. Hin und her gerissen zwischen Romantik und Verantwortung, Familie und eigener Zukunft kämpft eine der größten Autorinnen der Literaturgeschichte um die große Liebe und ihr Lebensglück. Diese ebenso charmante wie tragische Lovestory im Kostümlook beantwortet die Frage: Wie wurde Jane Austen zu Jane Austen? Die US-Amerikanerin Anne Hathaway überzeugt in der Rolle der großen englischen Autorin.


Im England des Jahres 1795 galt eine Liebesheirat als himmelschreiend töricht. Kein Wunder, dass Mrs. Austen ihrer Tochter Jane den gängigen Vermählungscodex wie folgt darlegt: "Zuneigung ist wünschenswert, Geld aber absolut unverzichtbar." Allein - Janes unabhängiger, aufmüpfiger Geist glaubt an eine Welt frei von pekuniären Verflechtungen, jenseits von Stolz und Vorurteil.

Die blutjunge Schriftstellerin lebt im idyllischen Hampshire mit Menschen zusammen, die weder über ihre intellektuelle Energie noch über ihre Bildung oder trockene Ironie verfügen, mit der sie die Welt um sich herum wahrnimmt. Sie, die zur Königin des britischen Gesellschafts- und Liebesromans heranreifen wird - denken wir nur an "Verstand und Gefühl", "Stolz und Vorurteil" oder "Mansfield Park" -, ist gerade dabei, sich ihre ersten literarischen Lorbeeren zu verdienen. Eine unerfüllte Romanze wird ihr kreatives Schaffen für immer prägen. Vielleicht wäre Jane Austen nicht zu der Autorin geworden, die sie war, wenn es diese Momente der Nähe nie gegeben hätte. Denn das Verlangen ist das, was unsere Herzen wissentlich bricht...

Fakten und Fiktion
Das englische Klassensystem des 18. Jahrhunderts, das zarte Aufbegehren gegen traditionelle Rollen durch selbstbewusste Frauen sowie raffinierte Verbalduelle voll Esprit zwischen den Geschlechtern – all das markiert klassisch-literarisches "Austen-Territorium". Jon Spence Biographie "Becoming Jane" ist Basis eines Fakten und Fiktion harmonisierenden Kostümdramas, das nun unter gleichem Titel in unsere Kinos kommt. Dabei geht Regisseur Julian Jarrold der These nach, dass Austen nicht einfach eine amouröse Theoretikerin gewesen sei, sondern vielmehr Liebesleid selbst erfahren habe.

Anne Hathaway brilliert als kämpferische Jane Austen
In der Rolle der erfrischend kämpferischen Jane Austen, die ihre romantischen Ideale in Wort und Schrift voll Witz zu verteidigen weiß, brilliert die bezaubernde New Yorkerin Anne Hathaway, die zuletzt als lernfähiger Trendscout in Sachen Mode in "Der Teufel trägt Prada" ihr Talent unter Beweis stellte. Während einer Lesung wird der Ire und Jurist Tom Lefroy - James McAvoy - Janes Unmut ob seiner Gelangweiltheit, aber auch deren Neugier wecken. Hier der arrogante Pfau aus London, den es aufs Land verschlägt, dort die angriffslustige Rebellin - zwei Nonkonformisten, die im anderen eine verwandte Seele entdecken. Und die Liebe proben in dem Wissen, dass diese der Realität und dem gesellschaftlichen Druck nicht standhalten kann. Einen verstaubten Aristokraten weiß sich Jane vom hübschen Leib zu halten. Nicht zuletzt darf ihr Leben als Single als Akt der Verweigerung gedeutet werden...

In ihren Adern fließt Tee statt Blut
Anne Hathaway: "Die Engländer sind ja nicht gerade für ihre Leidenschaftlichkeit berühmt. ,Becoming Jane ist ein klassisches Drama und in seiner zeitlosen Qualität fast mit ,Casablanca’ vergleichbar!" Und weiter: "Ich wollte eine junge Frau im Sog ihrer Emotionen darstellen, kein unterkühltes Wesen, durch dessen Adern Tee statt Blut fließt." Wie sehr unterscheidet sich der Jane-Austen-Kosmos vom Hier und Jetzt? Hathaway: "Ich glaube, dass es damals wesentlich schwieriger war, eine gute Tochter zu sein, weil so einiges von einem erwartet wurde..."

Dass sich die Amerikanerin mit dem Audrey Hepburnschen Charme für nicht ganz zeitgemäß hält, amüsiert. "Ich mag keine SMS, hasse E-Mails und ich ruiniere jeden Computer", gesteht sie. "Ich schreibe viel lieber Briefe und finde die Fähigkeit, etwa ein Instrument zu spielen, ungemein wichtig. Die Zeiten von Jane Austen vermitteln uns eine gewisse Anmut in ihrer Beschaulichkeit. Nur die Liebe erfährt keine Entschleunigung!" ("Becoming Jane - Geliebte Jane", ab 16. November im Kino)

Von Christina Krisch, Kronen Zeitung

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