21.07.2007 15:10 |

Musik vom PC

Beethoven-Konzert aus dem PC

Dirigent Paul Henry Smith hat einen skurrilen Plan: Im kommenden Jahr will der US-Amerikaner in einem Konzerthaus drei Beethoven-Symphonien aufführen ohne ein einziges Instrument auf der Bühne einzusetzen. Ein virtuelles Orchester aus dem Computer soll die Stücke spielen. Die Technik dafür kommt aus Wien: Mit dem Programm der Vienna Symphonic Library (VSL) lässt sich Orchestermusik originalgetreu und vergleichsweise kostengünstig zusammenmixen.

Die Firma VSL (siehe Infobox) hat in ihrem Tonstudio mehr als 200 Instrumente von Musikern einspielen lassen. Seit 2001 ist so ein gigantisches Repertoire von 1,8 Millionen Tönen und Tonfolgen entstanden. Musikgrößen wie Phil Collins und Pete Townshend (The Who) haben die digitale Ton-Bibliothek schon für ihre Stücke genutzt, zu den Kunden zählen nach Angaben des Unternehmens auch Stevie Wonder und die Gruppe Massive Attack.

Smith, der bei Dirigentengrößen wie Leonard Bernstein und Sergiu Celibidache in die Lehre ging, ist vor zwei Jahrzehnten auf die Musik aus der Retorte gekommen. Mittlerweile lebt der 43-Jährige aus Hamden in Connecticut von den virtuellen Klängen. Sein digitales "Fauxharmonic Orchestra" spielt gegen Entgelt Hintergrundmusik für Filme und Werbespots ein. Im vergangenen Jahr hat er zudem für viele Hobby-Komponisten gearbeitet und deren Stücke vertont.

Leere im Orchestergraben
Anfang kommenden Jahres will Smith nun erstmals live in Konzerthäusern sein Computer-Orchester erklingen lassen, zunächst in in Brooklyn (New York), weitere Darbietungen sollen folgen. Die Zuschauer dürfen sich auf ein bizarres Spektakel gefasst machen: Von den Computern wird nichts zu sehen sein, sondern nur der Dirigent selbst, der anstelle des Taktstocks die Fernsteuerung einer Spielekonsole durch die Luft wirbeln wird.

Damit arrangiert Smith die Feinheiten der Symphonien, deren grobe Linie er bereits vorher in seinem Tonstudio in mehr als einjähriger Arbeit aufgenommen hat. Lediglich die Sanges-Passagen wird Smith noch mit Vokalisten bestreiten: "Die Technik ist noch nicht soweit, doch die Entwicklung geht so rasant, dass auch das Problem des Gesangs in ein paar Jahren gelöst sein wird", sagt der Dirigent.

Kaum zu unterscheiden
Dass sich die Musik aus dem Computer inzwischen kaum noch von einem Live-Orchester unterscheiden lässt, hat unlängst ein Experiment des "Wall Street Journal" gezeigt. Die US-Zeitung spielte zwei Musikprofessoren Beethovens Siebte vor, gespielt von drei echten Orchestern - und von Dirigent Smith. Ergebnis: Das digitale Werk ging - zumindest im ersten Anlauf - als echt durch.

Symbolbild

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