Mo, 20. August 2018

Asyl beantragt

23.11.2017 07:31

Verurteilter Mörder nach Messerattacke in U-Haft

Florin C. hat im Oktober 1997 mit einer Kalashnikov einen Menschen erschossen. 17 Jahre Haft bekam der 42-Jährige dafür, 13 saß er ab. 2012 kam er nach Österreich, beantragte Asyl. Jetzt ist der Albaner wieder im Gefängnis: wegen versuchten Mordes. Einem Türsteher soll er ein Messer in den Rücken gerammt haben.

"Ich schwöre, alles was passiert ist, war unabsichtlich", meint der Schwerkriminelle zum blutigen Vorfall am frühen Morgen des 14. Oktober. Mit einer Frau war er in einem Lokal in der Salzburger Gstättengasse, tanzte und feierte dort mit ihr. Betrunken und im Kokain-Rausch, wie er im Verhör preisgibt. Ein Mann drängte sich seiner Begleitung auf und beginnt zu pöbeln, C. fühlte sich provoziert. Bereits im Lokal kam es zu einer Schlägerei.

Messerstiche in den Rücken
Die Türsteher wollten schlichten, führten die Streithähne raus. Dabei soll C. sein Messer rausgeholt und zugestochen haben: Seinen Kontrahenten, einen Salzburger, erwischte er an der Hand. Ein Security ging dazwischen und wurde noch schlimmer verletzt: Zwei Messerstiche in den Rücken. Glücklicherweise aber keine lebensbedrohlichen.

Ermittlungen laufen
Der mutmaßliche Messerstecher flüchtete erst, wurde aber rasch von der Polizei verhaftet. Seither sitzt er wegen versuchten Mordes in der Justizanstalt Puch-Urstein in Untersuchungshaft. Die Ermittlungen laufen.

C. selbst kann sich an die Bluttat nicht mehr erinnern. Nur was davor und danach passierte, sagt er und zeigt dabei gewissermaßen Reue: Das Opfer kenne er nämlich. Es tue ihm leid, lässt er die Behörden wissen.

Wegen Mordes zu 17 Jahren verurteilt
Dabei hat der zweifache Vater aus dem Norden Albaniens schon tiefschwarze Flecken auf seiner Weste: Im Juli 2000 wird er in Puke zu 17 Jahren Haft verurteilt. Er hat vorsätzlich einen Mord begangen, stellt das albanische Gericht fest. Aus Blutrache, weil er mit Holzstöcken geschlagen wurde. Damals, im Alter von 22 Jahren, besorgt C. sich eine AK-47, ein vollautomatisches Sturmgewehr - besser bekannt als "Kalashnikov" - und tötet denjenigen, der ihn Monate zuvor schlug.


C. will Asyl
Nach 13,5 Jahren im Gefängnis kommt der Albaner raus und verlässt mit Frau und Kind sein Heimatland. Im März 2012 erreicht er Österreich und beantragt Asyl: Er fürchtet Rache. Doch auch hier hält sich der Asylwerber nicht an die Gesetze: 16 Monate sitzt er in der Justizanstalt Ried (OÖ) ab, verurteilt wird er nach Einbruchsdiebstählen.

Vor einem halben Jahr folgte im Zuge der Trennung von seiner Frau eine Anzeige: Nötigung. Auch ein Betretungsverbot wird ausgesprochen. C. bekommt eine andere Asylunterkunft, lebt von der Grundversorgung. Doch nach sechs Jahren ist sein Asylverfahren noch immer nicht abgeschlossen. Spätestens nach der Messer-Attacke drängt sich die Frage auf: Hätten die Behörden nicht schon längst reagieren sollen?

Antonio Lovric, Kronen Zeitung

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