Mi, 19. September 2018

10 Jahre Beratung

17.09.2017 19:01

Inklusion: "Da geht noch viel mehr"

Inklusion statt Sonderschule - dafür tritt der Verein "Integration Tirol" seit der Neuaufstellung vor zehn Jahren ein. Noch sei das Miteinander aller Kinder in Tirol keine Selbstverständlichkeit, lautet der Befund zum Jubiläum. Was den Familienberaterinnen außerdem Sorge bereitet, ist der Kampf ums Pflegegeld.

Menschen mit Behinderung haben das Recht, an allen Lebensbereichen gleichberechtigt teilzuhaben. Österreich hat sich rechtlich verpflichtet, das zu ermöglichen. Die Praxis schaut oft anders aus. Davon können die Mitglieder des Vereins "Integration Tirol" ein Lied singen. Sie beraten Familien mit behinderten Kindern. "Noch nie wurden wir zum Thema Inklusion in Schulen so oft kontaktiert wie im Vorjahr", berichtet Vereinsobmann Wolfgang Begus.

53 Prozent Inklusion

Worum geht es? Es geht um die Frage Sonderschule oder Inklusion. Hierzulande wird die Debatte sehr emotional geführt. Tirol steht bei 53 Prozent Inklusion, ein im Vergleich geringer Anteil. Die Steiermark erreicht 80 Prozent, Südtirol 100 Prozent. "Es kann nicht sein, dass das Recht eines Kindes vom Wohlwollen der Erwachsenen abhängt", verweist Begus auf große Unterschiede in Tirol. Im Außerfern funktioniere Inklusion bereits gut, in anderen Regionen sei der Widerstand von Politik und Behörden noch groß. Maximal eine Sonderschule pro Bezirk, lautet die Formel des Vereins. Derzeit gibt es rund 30 Sonderschulen. Positiv sei aber, dass sich die Landesregierung mittlerweile um mehr Inklusion bemühe.

3800 Beratungen

3800 Beratungen hat "Integration Tirol" im Vorjahr durchgeführt. Tendenz steigend. Neben dem Thema Schule geht es in jüngster Zeit immer öfter um den Kampf der Familien ums Pflegegeld. "Einstufungen werden oft oberflächlich durchgeführt. 30 Minuten sind einfach zu wenig, um den Pflegebedarf eines Kindes zu ermessen", kritisiert Begus. Besonders prekär sei die Situation von Alleinerzieherinnen, die Mindestsicherung beziehen. "Das Pflegegeld wird als Einkommen gewertet und verringert die Mindestsicherung. Das ist doch absurd." Der Verein vertritt auch Betroffene, die vor Gericht ums Pflegegeld kämpfen. "Wir gewinnen die Verfahren, weil wir genau hinschauen", erklärt der Obmann und fügt hinzu: "Für die Politik und die PVA als Prüfinstanz, die Menschen mit Behinderung eigentlich unterstützen sollen, ist das kein Ruhmesblatt."

Claudia Thurner, Kronen Zeitung

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