Mo, 25. Juni 2018

10 Jahre Beratung

17.09.2017 19:01

Inklusion: "Da geht noch viel mehr"

Inklusion statt Sonderschule - dafür tritt der Verein "Integration Tirol" seit der Neuaufstellung vor zehn Jahren ein. Noch sei das Miteinander aller Kinder in Tirol keine Selbstverständlichkeit, lautet der Befund zum Jubiläum. Was den Familienberaterinnen außerdem Sorge bereitet, ist der Kampf ums Pflegegeld.

Menschen mit Behinderung haben das Recht, an allen Lebensbereichen gleichberechtigt teilzuhaben. Österreich hat sich rechtlich verpflichtet, das zu ermöglichen. Die Praxis schaut oft anders aus. Davon können die Mitglieder des Vereins "Integration Tirol" ein Lied singen. Sie beraten Familien mit behinderten Kindern. "Noch nie wurden wir zum Thema Inklusion in Schulen so oft kontaktiert wie im Vorjahr", berichtet Vereinsobmann Wolfgang Begus.

53 Prozent Inklusion

Worum geht es? Es geht um die Frage Sonderschule oder Inklusion. Hierzulande wird die Debatte sehr emotional geführt. Tirol steht bei 53 Prozent Inklusion, ein im Vergleich geringer Anteil. Die Steiermark erreicht 80 Prozent, Südtirol 100 Prozent. "Es kann nicht sein, dass das Recht eines Kindes vom Wohlwollen der Erwachsenen abhängt", verweist Begus auf große Unterschiede in Tirol. Im Außerfern funktioniere Inklusion bereits gut, in anderen Regionen sei der Widerstand von Politik und Behörden noch groß. Maximal eine Sonderschule pro Bezirk, lautet die Formel des Vereins. Derzeit gibt es rund 30 Sonderschulen. Positiv sei aber, dass sich die Landesregierung mittlerweile um mehr Inklusion bemühe.

3800 Beratungen

3800 Beratungen hat "Integration Tirol" im Vorjahr durchgeführt. Tendenz steigend. Neben dem Thema Schule geht es in jüngster Zeit immer öfter um den Kampf der Familien ums Pflegegeld. "Einstufungen werden oft oberflächlich durchgeführt. 30 Minuten sind einfach zu wenig, um den Pflegebedarf eines Kindes zu ermessen", kritisiert Begus. Besonders prekär sei die Situation von Alleinerzieherinnen, die Mindestsicherung beziehen. "Das Pflegegeld wird als Einkommen gewertet und verringert die Mindestsicherung. Das ist doch absurd." Der Verein vertritt auch Betroffene, die vor Gericht ums Pflegegeld kämpfen. "Wir gewinnen die Verfahren, weil wir genau hinschauen", erklärt der Obmann und fügt hinzu: "Für die Politik und die PVA als Prüfinstanz, die Menschen mit Behinderung eigentlich unterstützen sollen, ist das kein Ruhmesblatt."

Claudia Thurner, Kronen Zeitung

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.