So, 26. Mai 2019
27.01.2016 14:33

Jetzt im Kino

So gut ist Quentin Tarantinos "The Hateful 8"

Mit "The Hateful 8" startet am Donnerstag jener Film, den Kultregisseur Quentin Tarantino eigentlich schon zu Grabe getragen hatte, nachdem das Drehbuch vor drei Jahren geleakt war. Zum Glück hat er es sich anders überlegt und serviert uns ein Kammerspiel, in dem er eine Starriege um Samuel L. Jackson aufeinander losgehen lässt. Köstlich!

Darum geht's im Film: Einige Jahre nach dem amerikanischen Bürgerkrieg bahnt sich eine Kutsche mühsam ihren Weg durch den Schnee Wyomings. An Bord: der Kopfgeldjäger John "The Hangman" Ruth (Kurt Russell) und dessen Gefangene Daisy Domergue (Jennifer Jason Leigh). Ruths Ziel: die Stadt Red Rock - dort will er Daisy an den Sheriff übergeben und das Kopfgeld in Höhe von 10.000 Dollar einstreichen.

Unterwegs gabelt "The Hangman" Major Marquis Warren (Jackson) - der ebenfalls als Kopfgeldjäger sein Geld verdient - und Chris Mannix (Walton Goggins) - ein Deserteur aus den Südstaaten, der behauptet, der neue Sheriff von Red Rock zu sein - auf. Ein schlimmer Schneesturm zwingt die Gruppe zu einem Zwischenstopp in Minnies Kleinwarenladen.

Dort treffen Ruth und sein Anhang auf den mysteriösen Mexikaner Bob (Demian Bichir), den verschwiegenen Cowboy Joe Gage (Michael Madsen), den Konföderierten-General und Schwarzen-Hasser Sandford Smithers (Bruce Dern) sowie Oswaldo Mobray (Tim Roth), den Henker von Red Rock.

Während der Sturm draußen immer heftiger tobt, wächst das Misstrauen unter den Anwesenden. Mehrere Fragen tun sich auf: Wo treibt sich Gastgeberin Minnie herum, die ihren Laden normalerweise nicht unbeaufsichtigt lässt? Warum schmeckt der Kaffee so schlecht? Und zu guter Letzt: Wer spielt hier ein falsches Spiel? Denn je später der Abend und je blutiger der Fußboden wird, ist auch dem Letzten klar, dass das Zusammentreffen der Fremden in der einsamen Hütte kein Zufall ist...

Projekt eigentlich schon gestorben
Weil das Drehbuch zu "The Hateful 8" 2013 unautorisiert an die Öffentlichkeit kam, hatte Quentin Tarantino das Projekt wutentbrannt an den Nagel gehängt. Als jedoch im April 2014 eine exklusive Lesung des Drehbuchs mit Tarantino und dem Großteil des späteren Filmensembles im Ace Hotel Theatre in Los Angeles frenetisch gefeiert wurde, ließ dies den Regisseur über eine Wiederbelebung nachdenken. "Wir sahen uns an und fragten uns: Wie kann er diesen Film nach dieser Erfahrung nicht machen?", erzählt Samuel L. Jackson von dem Abend, bei dem Tarantino und Co. mit minutenlangen Standing Ovations bedacht wurden. Acht Monate später begannen in Colorado die Dreharbeiten...

Tarantino filmte im Ultra Panavision 70mm-Format. Ein Format, das eigentlich längst in Vergessenheit geraten war und zuletzt im Jahr 1966 bei "Khartoum - Aufstand am Nil" zum Einsatz gekommen war. Für dieses Format werden anamorphotische Linsen verwendet - im Gegensatz zu den herkömmlichen sphärischen Linsen -, die ein Breitwandformat von 1:2,76 erzeugen.

"Größere Intimität" mit Ultra-Breitwandformat
Tarantino: "Mit 70mm fängt man öde Westernlandschaften, Schneewüsten, aber auch attraktivere Schauplätze perfekt ein." Und, darauf schwört der "Inglourious Basterds"-Regisseur, auch Innenaufnahmen kommen so noch mehr zur Geltung. "Ich bin überzeugt, dass das Breitwandformat für größere Intimität sorgt. Du bist näher an den Figuren dran."

Tarantino ist mit "The Hateful 8" ein knapp dreistündiges Western-Epos gelungen, das nicht ganz an "Inglourious Basterds" und "Django Unchained" rankommt, aber mit einem - wie gewohnt - herausragenden Cast, unnachahmlichen Dialogen und beeindruckenden Bildern punktet. Außerdem hat der Kultregisseur den Film mit einer Brise "Whodunit" versehen - spannend! Schauspielerisches Highlight: Walton Goggins als Sheriff mit losem Mundwerk und Südstaatenslang - Weltklasse!

Übrigens: Wer in den Genuss der nochmals um acht Minuten längeren 70mm-Roadshow-Fassung von "The Hateful 8" kommen möchte, erhält dazu im Wiener Gartenbaukino Gelegenheit. Dort ist der Streifen in historischer Tradition der "Roadshows" mit Ouvertüre, Pause und zusätzlichen Szenen zu erleben.

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