Di, 21. Mai 2019
11.01.2016 09:33

Wahllose Angriffe

Gewalttäter machen Jagd auf Migranten in Köln

Köln kommt nicht aus den negativen Schlagzeilen heraus: Nach den schockierenden Vorfällen in der Silvesternacht soll am Sonntag eine Gruppe von Unbekannten am Hauptbahnhof Ausländer angegriffen haben. Wie die Polizei mitteilte, mussten zwei Pakistaner nach den Attacken ins Krankenhaus gebracht werden, ein Syrer wurde leicht verletzt.

Ob die Angriffe einen radikalen Hintergrund hatten bzw. direkt mit den Geschehnissen der Silvesternacht in Köln zusammenhängen, wird laut einem Polizeisprecher noch geprüft.

Gruppe aus Rockern, Hooligans und Türstehern
Nach Informationen des Kölner "Express" hatte sich eine Gruppe aus Rockern, Hooligans und Türstehern über Facebook verabredet, "um in der Kölner Innenstadt auf Menschenjagd zu gehen". Nach den Übergriffen in der Silvesternacht wolle man "ordentlich aufräumen", zitierte das Blatt aus einer nicht-öffentlichen Facebook-Gruppe. Ob zwischen dem Aufruf und den Angriffen ein Zusammenhang besteht, ist noch unklar.

Der erste Vorfall ereignete sich nach Angaben der Polizei gegen 18.40 Uhr. Eine Gruppe von etwa 20 Menschen ging in der Nähe des Kölner Hauptbahnhofes auf sechs Pakistaner los. Rund 20 Minuten später kam es nicht weit entfernt zu einer zweiten Attacke: Fünf Täter griffen einen in Deutschland lebenden Mann mit syrischer Staatsangehörigkeit an. Der 39-Jährige wurde verletzt, musste aber nicht ärztlich behandelt werden.

Erhöhtes Polizeiaufgebot
Bereits am Nachmittag habe die Polizei "Hinweise auf Personengruppen erhalten, die gezielt Provokationen suchen" würden, hieß es. Daraufhin sei die Polizei in der Innenstadt mit starken Kräften im Einsatz gewesen. In der Nacht sei die Präsenz nach mehreren Personenkontrollen dann wieder zurückgefahren worden, sagte ein Polizeisprecher. Mehr als 100 Menschen wurden von den Beamten kontrolliert.

Im Zuge der Kontrollen seien vier Menschen vorübergehend in Gewahrsam genommen worden, die ausgesprochene Platzverweise nicht befolgt hätten. Ob diese Personen zu den Angreifern gehörten, konnte ein Polizeisprecher nicht sagen. Es wurden zwei Strafanzeigen gestellt.

Kundgebung von Rechtsextremen am Samstag
Am Samstag hatte die Kölner Polizei eine Kundgebung von Hooligans und Rechtsextremisten aufgelöst. Die Beamten seien aus der Menge der rund 1700 Demonstranten immer wieder mit Flaschen, Knallkörpern und Steinen beworfen worden, sagte eine Polizeisprecherin. Die Polizei setzte schließlich Wasserwerfer und Reizgas ein und nahm 15 Personen vorübergehend in Gewahrsam. Hintergrund der Demonstration waren die massiven Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht in der Domstadt, für die Opfer und Zeugen vor allem Täter nordafrikanischer oder arabischer Herkunft verantwortlich machten.

In der Silvesternacht war es in der Nähe des Kölner Domes zu Ausschreitungen gekommen, bei denen Frauen sexuell angegriffen und bestohlen wurden. Bei den meisten der Verdächtigen handelt es sich nach Angaben der Polizei um Asylwerber. Wegen des Skandals musste der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers sein Amt aufgeben. Zudem gibt es eine bundesweite Debatte über die Einwanderungs- und Integrationspolitik.

Muslime beklagen "neue Dimension des Hasses"
Der Zentralrat der Muslime in Deutschland beklagt bereits "eine neue Dimension des Hasses" gegen Muslime. Der "braune Mob" tobe in den sozialen Medien und sehe seine Vorurteile durch die Silvesternacht bestätigt. Am vergangenen Donnerstag, als bekannt wurde, dass es sich bei einigen mutmaßlichen Tätern um Asylwerber aus muslimischen Ländern handle, seien in der Geschäftsstelle des Islamverbands 50 Drohanrufe sowie Hunderte Hassmails und -briefe eingegangen, sagte der Zentralratsvorsitzende Aiman Mazyek am Montag in einem Interview mit dem "Kölner Stadtanzeiger". Dazu gebe es Hetze im Internet.

Inzwischen habe der Verband die Telefonanlage abstellen müssen. Der Zentralrat wolle den zunehmenden Ressentiments mit "Aufklärung und Besonnenheit" entgegentreten. So sei es im Islam eine große Sünde, Frauen zu belästigen oder gar zu vergewaltigen.

Börsenexperte zu Kölner Vorfällen im Video: "Glauben, sie können uns verarschen"

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