Was lange als fernes Problem tropischer Länder galt, betrifft nun zunehmend auch Mitteleuropa: Eine neue Studie zeigt, dass die schmerzhafte Viruserkrankung Chikungunya inzwischen in großen Teilen Europas durch Gelsen übertragen werden kann – einschließlich Österreich. Steigende Temperaturen und die Ausbreitung einer invasiven Gelsenart sorgen dafür, dass das Virus hierzulande zumindest zeitweise günstige Bedingungen vorfindet.
Über die Ergebnisse berichtete unter anderem der britische „Guardian“. Demnach ist Chikungunya keine reine Südeuropa-Gefahr mehr. Die Forschenden ordnen dabei sogar Österreich in eine Zone mit moderatem Übertragungsrisiko ein: In mehreren Monaten pro Jahr – vor allem zwischen Mai und September – können Temperaturen erreicht werden, bei denen eine Ansteckung grundsätzlich möglich ist.
Risiko in Österreich deutlich höher als angenommen
Laut der Studie kann das Chikungunya-Virus bei Temperaturen zwischen rund 14 und 32 Grad Celsius von der Asiatischen Tigermücke übertragen werden. Für Länder wie Österreich bedeutet das: Vor allem in den Sommermonaten, insbesondere im Juli und August, sind die klimatischen Voraussetzungen gegeben. Damit zählt Österreich zu jenen mitteleuropäischen Staaten, in denen das Virus nicht dauerhaft, aber saisonal übertragen werden könnte.
Neben Österreich gelten auch Länder wie Deutschland, Frankreich, die Schweiz, Belgien oder die Niederlande als moderat gefährdet. Das Risiko ist dort geringer als im Süden Europas, aber deutlich höher als bislang angenommen.
Gesundheitsprobleme nach einem Infekt halten Jahre an
Chikungunya wurde erstmals 1952 in Tansania entdeckt und war lange auf tropische Regionen beschränkt. Die Krankheit verursacht plötzliches Fieber und vor allem extrem starke, oft lang anhaltende Gelenkschmerzen, die den Alltag massiv beeinträchtigen können. Studien zufolge leiden bis zu 40 Prozent der Erkrankten noch Jahre später an schweren Schmerzen oder entzündlichen Beschwerden. Besonders gefährlich ist das Virus für ältere Menschen und kleine Kinder.
Klimawandel schickt Krankheiten in neue Regionen
Ein zentraler Faktor ist die Asiatische Tigermücke, die sich in Europa zunehmend ausbreitet. Diese Mücke ist besonders anpassungsfähig und inzwischen auch in Teilen Mitteleuropas nachgewiesen. Die neue Studie zeigt, dass sich das Virus bereits bei niedrigeren Temperaturen in der Gelse entwickeln kann als bisher angenommen – rund zwei bis zweieinhalb Grad weniger. Dadurch verlängert sich die Zeit im Jahr, in der eine Übertragung möglich ist, deutlich.
Hinzu kommt der Klimawandel: Europa erwärmt sich schneller als viele andere Regionen der Welt. Dadurch verschieben sich die Grenzen, in denen sogenannte Tropenkrankheiten auftreten können, immer weiter nach Norden.
Bereits erste lokale Ausbrüche
In Europa kam es in den vergangenen Jahren bereits zu lokalen Ausbrüchen, etwa in Frankreich und Italien. Diese wurden meist durch infizierte Reisende ausgelöst, die aus tropischen Regionen zurückkehrten und anschließend von heimischen Tigermücken gestochen wurden. In Österreich wurden bislang vor allem importierte Fälle registriert, also Erkrankungen nach Auslandsaufenthalten – lokale Übertragungen sind bisher nicht bekannt.
Noch ist Gelegenheit, gegenzusteuern
Die Studie macht jedoch deutlich, dass sich diese Situation mit steigenden Temperaturen ändern könnte. Diana Rojas Alvarez von der World Health Organization betont gegenüber dem „Guardian“, dass Europa noch Möglichkeiten hat, gegenzusteuern. Dazu zählen das frühzeitige Erkennen von Mückenpopulationen, gezielte Bekämpfung sowie Aufklärung der Bevölkerung.
Ein wirksamer Schutz besteht vor allem darin, Gelsenstiche möglichst zu vermeiden: stehendes Wasser beseitigen (etwa in Pflanzuntersetzern oder Gießkannen), helle lange Kleidung tragen und Insektenschutzmittel verwenden. Zwar gibt es Impfstoffe gegen Chikungunya, sie sind jedoch teuer und nicht breit verfügbar.
Kein exotisches Randthema mehr
Die Studie, veröffentlicht im „Journal of the Royal Society“, liefert erstmals detaillierte Karten, wann und wo in Europa eine Übertragung möglich ist. Für die Forschenden ist klar: Chikungunya ist kein exotisches Randthema mehr, sondern ein konkretes Warnsignal dafür, wie sehr sich Gesundheitsrisiken durch den Klimawandel auch in Mitteleuropa verändern.
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