Do, 16. August 2018

Angriff der Al-Kaida

20.11.2015 22:32

Wer Koran zitieren konnte, durfte Hotel verlassen

Ein bewaffnetes Terrorkommando hat am Freitag ein bei Ausländern beliebtes Luxushotel in Malis Hauptstadt Bamako angegriffen und dabei rund 170 Geiseln genommen. In der Früh kam es beim Radisson-Blu-Hotel zu einer Schießerei, die Polizei stürmte noch am Vormittag das Gebäude und kämpfte sich Stockwerk für Stockwerk vor. Es gab mindestens 20 Tote. Am späten Nachmittag vermeldete die malische Regierung, dass die Geiselnahme beendet sei.

Laut einem Vertreter der Vereinten Nationen sind unter den Toten auch zwei Attentäter. Die Terroristen hatten es auf Nicht-Muslime abgesehen. Wer das islamische Glaubensbekenntnis rezitieren konnte, sei freigelassen worden, erklärte ein Polizeibeamter in Bamako.

Al-Kaida bekennt sich zu Anschlag
Zu dem Angriff hat sich eine Gruppe des Terrornetzwerks Al-Kaida bekannt. Die in Nordmali aktive Islamistenorganisation Al-Mourabitoun erklärte ebenfalls, sie stehe hinter dem Überfall und der Geiselnahme. In der Gruppe haben sich Araber und Angehörige der Tuareg zusammengeschlossen. Frankreichs Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian hält den bereits vor Monaten für tot erklärten einäugigen Islamisten Mokhtar Belmokhtar für den Drahtzieher des Terroranschlags.

Im Juni hatte die libysche Regierung mitgeteilt, dass Belmokhtar bei einem gezielten US-Luftangriff im Osten Libyens getötet worden sei - was von Al-Kaida später bestritten wurde. Der einäugige Al-Kaida-Veteran gilt als Anführer der Terrorgruppe im nördlichen Afrika. Er soll auch den Angriff auf eine Gasförderanlage in Algerien befehligt haben, bei dem vor zwei Jahren 35 Geiseln ums Leben kamen, darunter drei US-Bürger.

Die Dschihadisten, die laut einem Zeugen Englisch miteinander gesprochen hätten, hatten in einer der oberen Etagen das Feuer eröffnet. Die Polizei riegelte die Gegend weiträumig ab. Spezialkräfte rücken bei der Stürmung Stockwerk für Stockwerk vor, es waren immer wieder Schüsse zu hören.

Angreifer kamen mit Diplomatenwagen
Nach Angaben eines Mitglieds des Sicherheitsteams des Hotels nutzten die Angreifer einen Wagen mit diplomatischen Kennzeichen, um Zugang zum normalerweise sehr gut gesicherten Hotel zu erhalten. Das Haus mit seinen rund 190 Zimmern liegt westlich des Stadtzentrums in einem Viertel, in dem sich auch mehrere Ministerien sowie Wohnsitze von Diplomaten befinden.

Zahlreiche Ausländer unter den Geiseln
Unter den Geiseln befanden sich unter anderem Franzosen, Deutsche, Türken, Chinesen, Inder, ein Belgier sowie mehrere Algerier. Die US-Botschaft rief die US-Bürger auf, sich in Sicherheit zu begeben.

Auch österreichische Soldaten in Bamako stationiert
In Bamako sind aktuell auch sieben Soldaten des Bundesheeres stationiert, die im Rahmen der EU-Mission EUTM im Ausbildungsbereich tätig sind. Sie waren vom Anschlag nicht betroffen. "Den Österreichern geht es gut, ihr Stützpunkt befindet sich rund 2,5 Kilometer vom Anschlagsort entfernt", sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Michael Bauer, am Freitag.

Ein Dutzend Tote bei ähnlichem Überfall im August
Islamistische Kämpfer hatten den Norden Malis Anfang 2012 erobert, wurden aber ein Jahr später von der französischen Armee zurückgedrängt. Eine Blauhelmtruppe wurde aufgestellt. Seither kommt es immer wieder zu gewaltsamen Zusammenstößen. Erst im August waren zwölf Menschen bei einer Geiselnahme in einem von den Vereinten Nationen genutzten Hotel in Zentralmali ums Leben gekommen. Im März hatte sich eine Islamistengruppe zu einem Anschlag auf ein bei Ausländern beliebtes Restaurant in Bamako bekannt, bei dem fünf Menschen starben.

Österreich schickt weitere Soldaten nach Mali
Der Angriff auf das Luxushotel hat keine Auswirkungen auf die geplante Entsendung weiterer österreichischer Soldaten, die ab Februar 2016 im Rahmen der UNO-Mission MINUSMA an der Stabilisierung des Nordens mitwirken sollen. "So tragisch die Ereignisse sind, sie sind ein Beweis dafür, dass Mali stabilisiert werden muss", sagte der Sprecher von Verteidigungsminister Gerald Klug, Andreas Strobl, am Freitagabend.

Klug hatte im September angekündigt, dass sich Österreich mit zehn Stabsoffizieren und fünf Militärbeobachtern an der UNO-Mission beteiligen werde. Es handle sich um einen Versuch, die Flüchtlingskrise "an ihrer Wurzel" anzugehen. "Wir müssen in den Krisenstaaten für Stabilität und Sicherheit sorgen, damit Menschen nicht länger gezwungen sind, zu fliehen", sagte Klug.

Video: 170 Geiseln bei Überfall auf Luxushotel in Mali

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