"Kein Zweifel", sagt Robert Schauer, der am 3. Mai 1978 als erster Österreicher den Mount Everest bezwungen hatte, nach sorgfältiger Prüfung jener Fotos, die Stangl nach seiner historischen Gewaltleistung am 30.Mai aus Kathmandu an die "Krone" gemailt hatte, "die Bilder wurden eindeutig auf dem Everest-Gipfel gemacht!"
Der Steirer war zweifellos oben. Ganz oben - auf dem Gipfel der Welt. "Er hat enorm hoch gepokert, aber der Everest hat es gut mit ihm gemeint", sagt Robert Schauer. Und "Zurzeit gibt es wohl keinen Höhenbergsteiger, der physisch und psychisch für eine solche Wahnsinnstour besser geeignet wäre."
"Um die Wette" zum Gipfelsturm
"Ich habe das Basislager um 17 Uhr verlassen. Die Bedingungen waren gut." Vor der Gipfelpyramide sah Stangl einen Bergsteiger vor sich. Mit Sauerstoffzylinder. Vom sportlichen Ehrgeiz gepackt, verringerte er den Abstand. "Als er mich entdeckt hat, hat er zugelegt. Und war eine Minute vor mir auf dem Gipfel." Erst oben erkannte der Mann aus Ecuador, dass er gegen einen Konkurrenten ohne Sauerstoffhilfe angetreten war. Stangl: "Er nahm die Maske ab und hechelte nur: Du lieber Gott!"
Ein paar gegenseitige Fotos zum Beweis des Gipfelsturms - und nach drei Minuten ab nach unten. Stangl zählt auf dem Weg nach unten zehn Bergsteiger auf dem Weg nach oben. Und ebenso viele Tote im Schnee. Einem davon war er Tage zuvor im Basislager begegnet.
"Im Basislager haben alle nur laut gelacht"
Auf 7500 Metern fing es an zu schneien. "Der Nordrücken wurde so zur Rutschbahn." Stangl klammerte sich an die Fixseile, rutschte am Hosenboden talwärts - und sparte Zeit und Energie.
Als er ins Basislager zurückkam, "haben der Koch und der Küchenboy laut gelacht. Ich war ja nur einen Tag weg und habe ihnen gesagt, dass ich inzwischen auf dem Gipfel war." Sie lachten, bis sie die Fotos sahen...
Motorrad gegen Rad
16 Stunden und 42 Minuten für den Gipfelgang, sechs Stunden zurück ins Basislager. Rekord? Dagegen stehen die acht Stunden und zehn Minuten eines nepalesischen Sherpas - aber auf der wesentlich kürzeren Südroute. Und außerdem: "Da gabs überall Sauerstoffdepots, und er hatte die Unterstützung eines ganzen Expeditions-Apparates", sagt Chris Stangl. "Eine ebenso großartige Leistung, aber nicht zu vergleichen. Das wäre, wie wenn einer mit dem Motorrad bei einem Radrennen antritt!"
Von Werner Kopacka; Symbolbild










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