29.05.2006 07:46 |

Papst in Polen

Papst beendet Polenreise mit Besuch in Auschwitz

Papst Benedikt XVI. hat am Sonntag im ehemaligen deutschen Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau in einer ergreifenden Rede zu Versöhnung und Vergebung aufgerufen. "An diesem Ort versagen die Worte", sagte der 79-jährige aus Bayern stammende Papst vor dem Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Birkenau am letzten Tag seiner Polen-Reise.

An diesem "Ort des Grauens" zu sprechen, sei besonders bedrückend für "einen Papst, der aus Deutschland kommt", erklärte Joseph Ratzinger. Er empfinde es aber als seine Pflicht gegenüber Gott und den Opfern, an diesen Ort zu kommen. Er sei hier, um um die "Gnade der Versöhnung zu bitten", sagte der Papst, der als 18-jähriger im Krieg Flakhelfer war.

In italienischer Sprache sprach der Papst vor ehemaligen Lagerhäftlingen und Juden aus aller Welt, in unmittelbarer Nähe zu den Ruinen der Krematorien, in denen mehr als eine Million meist jüdischer Häftlinge ermordet wurde: "In solchem Schweigen verbeugen wir uns ... vor der ungezählten Schar derer, die hier gelitten haben." Für ein kurzes Gebet um Frieden und Eintracht benutzte der Pontifex dann erstmals während der offiziellen Auftritte der Reise seine Muttersprache.

Zuvor war der deutsche Papst im drei Kilometer entfernten Stammlager Auschwitz alleine durch das schmiedeeiserne Tor mit der Aufschrift "Arbeit macht frei" geschritten. Das Oberhaupt der katholischen Kirche ging zu Fuß zum so genannten Todesblock, betete vor der Wand, an der tausende Häftlinge erschossen worden waren, und verneigte sich anschließend tief.

Treffen mit Auschwitz-Überlebenden
Er sprach auch mit 32 Auschwitz-Überlebenden, Polen, Juden und Roma. Schweigend betete er vor der Zelle des 1982 heilig gesprochenen polnischen Franziskaner-Paters Maximilian Kolbe, der in Auschwitz für einen Familienvater in den Tod gegangen war.

"Immer wieder ist da die Frage: Wo war Gott in jenen Tagen?", fragte Ratzinger im Hinblick auf Stacheldraht, Wachtürme und die Lagerrampe von Birkenau. "Warum hat er geschwiegen? Wie konnte er dieses Übermaß der Zerstörung, diesen Triumph des Bösen dulden? Das Vergangene ist nie bloß vergangen. Es geht uns an und zeigt uns, welche Wege wir nicht gehen dürfen und welche wir suchen müssen", sagte der Papst.

"Ich wollte die Luft seiner Heimat atmen!"
Der Besuch in Auschwitz bildet den Schlusspunkt der Reise, die Benedikt ganz seinem Vorgänger Johannes Paul II. gewidmet hat. In den vorangegangenen Tagen hatte der ehemalige Kardinal Ratzinger alle Stätten besucht, die für das Wirken des polnischen Papstes in seinem Heimatland prägend waren.

Eine Million Gläubige bei Messe in Krakau
Am Vormittag hatte der Papst bei einer Messe vor einer Million Gläubigen in Krakau alle Christen zum Kampf für mehr Gerechtigkeit und Solidarität aufgerufen. Es sei Aufgabe der Christen, "den Armen, den Leidenden, den Ausgestoßenen Hoffnung zu bringen", sagte Benedikt. Am Sonntagabend wird der Papst nach Rom zurückfliegen.