Sein neues Werk klingt – wie könnte es auch anders sein – einfach klassisch. Dem Blues-Adel verpflichtet, beginnt jedes Stück mit einem ausgedehnten Gitarren-Solo. Mal wild und kreischend, dann wieder auf Zimmerlautstärke gedrosselt und bisweilen sehr melodisch. Seine Stimme, wie auch das Griffbrett seiner Gitarre, geölt wie eh und je.
Erste Lektion: Der Blues war immer schon der Blues
Gary Moore ist seit Anfang April 56 Jahre alt. Solo- und Band-Alben (unter anderem auch mit Thin Lizzy) macht der begnadete Gitarrist schon seit 1970. Die Faszination für jenen Musik-Stil, der anscheinend für jede Botschaft taugt, kennt bei ihm keine Grenzen. „Der Blues hat sich über all die Jahre hinweg eigentlich kaum verändert. Es ist keine temporäre Erscheinung. Du kannst ihn immer brauchen und er ist immer da“, schildert Gary Moore seine musikalische Philosophie.
Still Got The Blues
„Du kannst in einem Blues-Song alle Inhalte unterbringen. Es kann genauso um Liebe oder um Politik gehen“, erklärt Gary weiter. Mit seinem Hit „Still Got The Blues“, mit dem er eigentlich selbst erst so richtig zum Blues fand, hat Gary Anfang der 90er fast eine kleine Revival-Ära losgetreten – mitten im Abklang von Pop-Glitter und New Wave. Zwei Songs von ebendiesem erfolgreichsten Album, darunter der stimmige „Midnight Blues“, finden sich auch auf der neuen Platte als Re-Record wieder. Und die strotzt auch sonst nur so vor Heartbreak-Balladen und erdigen Grooves.
Rock, das ist schon lange her...
Seine Zeit als „Rocker“ bei Thin Lizzy, wo er für einige Monate auch bei Live-Konzerten ein Bandmitglied ersetzte, und zahlreichen anderen Formationen sind aber vorbei. „Yes, I was with Thin Lizzy“, lautet die Antwort kurz und bündig. Ein reines Rock-Album, das würde er auch nicht machen, zumal er erst vor wenigen Monaten bei einem Tribute-Konzert (gibt’s auch auf DVD) für Phil Lynott, dem verstorbenen Thin-Lizzy-Chef und einem innigen Freund Moores, so richtig den Rocker raushängen hat lassen und dabei auch deren größten Hit „The Boys Are Back In Town“ zum Besten gab.
Symptome eines Herzgebrechens!?
Entgegen der Meinung, dass der Blues vom Aussterben bedroht sei oder keine neuen Vertreter mehr findet, ist Gary Moore der Überzeugung, dass es ihn immer geben wird. „It’s timeless but always up to date“ – Blues ist zeitlos, aber immer aktuell. Klar, politisch brisante Inhalte und Gewissensappelle sind 2006 genauso gefragt wie sie’s in den 50ern oder gar noch früher waren.
Selbiges gilt für gute Lyrics über das alte Musiker-Leiden: gescheiterte Beziehungen und unterhörte Liebeserklärungen. Und wer weiß, vielleicht spricht da auch die Erfahrung aus dem zerfurchten Briten, der vom Rocker zum waschechten „Blueser“ wurde!? Bei Nummern wie „I’ll Play The Blues For You“ oder auch „Ain’t Nobody“ klingt das Geraune nämlich sehr überzeugend...
Von Meister zu Meister: Gary Moore und B.B. King
Mit einer anderen Blues-Größe, vielleicht auch DEM Blues-Vertreter schlechthin, war Gary Moore im April auf großer England-Tour. B.B. King hat sich den Briten für seine Abschiedstournee in die Band geholt. Gary Moore ist natürlich fasziniert von ihm: „Für mich ist es eine große Ehre, mit jemandem zusammenzuspielen, der die Musikwelt so geprägt hat.“
MTV ist schuld...
Was für ihn den größte „Impact“ in die Musiklandschaft der letzten 50 Jahre gemacht hat? „MTV!“, antwortet Gary wie aus der Pistole geschossen: „Früher gab es keine Musikvideos, du musstest nicht auf Image und Stil achten. Damals war es nur die Musik, die gezählt hat. Als MTV kam, musste es plötzlich zu jedem Song etwas zu sehen geben!“ Er findet es auch irgendwie schade, dass man jetzt soviel auf Visuelles achten muss.
Dass das mit Blues und Bluesern so gar nicht zusammenpassen kann, leuchtet ein. Mit „Old, New, Ballads, Blues“ wird Gary Moore auch schon allein Mangels Video kaum auf MTV zu sehen sein. Aber Blues-Fans, die seine Musik lieben, schalten da auch eher selten hin, oder?
8 Takte plus 6/8 von 10 Blues-Legenden
Zusammen mit vielen anderen, gesetzteren Künstlern wird Gary Moore im Sommer beim "Lovely Days"-Festival in St. Pölten gastieren. Am Samstag dem 22. Juli 2006 gibt's ihn live auf der Bühne!
Christoph Andert









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