Sa, 19. Jänner 2019

Grüne Selbstdiagnose

19.06.2015 09:31

Reimon: "Wir machen keinen Meter bei den Hacklern"

Nach den mageren Wahlergebnissen bei den Landtagswahlen im Burgenland und der Steiermark ist auch den Grünen klar geworden, dass es um die Positionierung ihrer Partei - insbesondere gegenüber der erstarkenden FPÖ - nicht gerade zum Besten bestellt ist. Gerade "bei den Hacklern machen wir keinen Meter", erklärte nun der Grüne EU-Abgeordnete Michael Reimon im Zuge einer Selbstdiagnose in der Ökopartei.

Die Grünen können nach wie vor bei den Arbeitern kaum Sympathien generieren, das sei ein "fundamentales Problem" der Partei, so Reimon gegenüber dem "Standard". Man finde mit den Grünen Lösungen keinen Zugang zu den Arbeitern, man müsse daher auf einen "guten Populismus" setzen. Zudem sei eine stärkere Konzentration auf wirtschaftspolitische Themen unumgänglich. Denn: "Die Leute wählen aus Notwehr." Auch hinsichtlich des Werbeauftritts der Grünen, spart Reimon nicht mit Kritik: "Die weichgespülten Fotos auf den Plakaten gefallen mir auch nicht immer."

"Kritik an der weichgespülten Linie"
Wiens Vizebürgermeister Maria Vassilakou sieht die Sache ähnlich. Das soziale Profil der Ökopartei müsse geschärft werden: "Ich kenne die Kritik an der weichgespülten Linie", so Vassilakou, die aber auch an den Vorwurf, in mancher Hinsicht "zu extrem" zu sein, erinnert.

Jüngste Projekte der Wiener Grünen nimmt Vassilakou aber in Schutz: Mit den einzelnen Aktionen, wie Ampelpärchen, Fußgängerzone, Gratiskindergarten habe die Diskussion rund um die Parteilinie an sich nichts zu tun. "Es gibt keinen Grund, warum in einer progressiven Politik das eine das andere ausschließen oder von irgendwelchen Frustsozis gegeneinander ausgespielt werden sollte", urteilt die Stadt-Vize.

Glawischnig ortet "Fehler"
Dennoch: Die passenden Antworten rund um steigende Arbeitslosigkeit und Verlust der Kaufkraft hätten die Grünen eben nicht parat. Laut "Standard" ortet Vassilakou bei den Großparteien SPÖ und ÖVP dagegen einen regelrechten Erosionsprozess. Diese Tendenz der Wählerwanderung in Richtung FPÖ könnten die Grünen aber nicht aufhalten.

Und auch die Grünen-Chefin Eva Glawischnig gesteht "Fehler", etwa zuletzt in der Steiermark ein. "Viele unserer Wähler sind zu Hause geblieben, vor allem die Frauen", bilanziert Glawischnig. Gegenüber der FPÖ wolle man aber auch in Zukunft "Kompromisslosigkeit gegenüber rechter Politik" walten lassen.

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