Do, 16. August 2018

Ärzte schlagen Alarm

16.06.2015 16:29

Blind, weil notwendige Therapie in der Nähe fehlt

Seit zehn Jahren gibt es eine Spezialtherapie für Menschen mit altersbedingter Makuladegeneration. Ohne Behandlung droht Blindheit. Die notwendige Spritze ins Auge wird von den Kassen nur in Spitälern gezahlt – und da mit Einschränkungen. Augenärzte schlagen Alarm: viele Tiroler Patienten seien unterversorgt, weil sie die häufige Anreise zur Therapie einfach nicht schaffen.

Kufstein, Innsbruck und Reutte – das sind die drei öffentlichen Krankenhäuser, in denen die Spritze ins Auge – wie die Therapie landläufig heißt – gegeben wird. Als Alternative bleiben Patienten nur Privatkliniken wie Hochrum und Tausende Euro Kosten im Jahr.

Die Spritze verhindert, dass Menschen mit "feuchter" Makuladegeneration – Wucherungen von kleinsten Blutgefäßen am Hintergrund der Augen – erblinden. "Bis zu zehn Mal ist diese Spritze im Jahr notwendig. Da kann man sich vorstellen, was das etwa für Osttiroler bedeutet. Betroffen sind vor allem ältere Menschen. Wie sollen die die Anreise so oft schaffen?", fragt sich Augenarzt Prof. Gerhard Kieselbach. Der Tiroler ist Obmann der Vereinigung der Österreichischen Augenchirurgen und hat mit einer Kollegin eine umfassende Studie zu der Thematik verfasst. Demnach werden heute im Österreich-Durchschnitt 3,3 Spritzen im Jahr pro Auge und Patient verabreicht. "Das ist viel zu wenig", verweist Kieselbach auf neueste medizinische Erkenntnisse, die mindestens das Doppelte empfehlen.

Zu wenig Anlaufstellen

Warum vergleichsweise wenig gespritzt wird, liegt für den Mediziner auf der Hand: "Es gibt zu wenig Anlaufstellen." Die Augenärzte machen mobil. Kieselbach und viele Kollegen treten dafür ein, dass die Spritze auch bei niedergelassenen Ärzten gegeben werden darf. "Rein technisch kein Problem, wenn Ausstattung und Ausbildung passen", so der Mediziner.

Sparen am falschen Platz

Der Hauptverband der Sozialversicherungen legt sich quer. Es geht – wie so oft – ums Geld und um einen schwelenden Konflikt über das verwendete Medikament. Für Kieselbach völlig unverständlich: "Die Spritze ist für mehrere Krankheitsbilder die notwendige Therapie. In Summe sprechen wir von rund 5000 Patienten in Tirol. Tendenz stark steigend. Ich behandle Betroffene, die heute fast oder ganz blind sind, weil sie zu wenig oft gespritzt wurden. Die Gesundheitspolitik nimmt das offenbar sehenden Auges in Kauf." Die Zeit drängt: In drei Jahren könnte der Patientenkreis doppelt so groß sein, zeigt Prof. Martina Kralinger, stellvertretende Leiterin der Augenklinik in Innsbruck, auf. Denn bis dahin könnte die Spritzen-Therapie auch für die "trockene" Makuladegeneration ausgereift sein. Auch Kralinger und der Sprecher der Tiroler Augenärzte, Dr. Walter Mair aus Kufstein, sprechen sich für eine Neuorganisation der Versorgung aus.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Tirol
Aktuelle Schlagzeilen

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.