Schmeckte sogar noch

Tiroler Gletscher gab nach 50 Jahren Bierfass frei

Tirol
31.10.2026 06:30

Zwei Bergläufer „retteten“ in den Zillertaler Alpen ein 30-Liter-Fass Bier aus 2800 Metern Seehöhe. 50 Jahre hatte der Gerstensaft zuvor im Eis des Tribbachkees in Südtirol gelegen, die Verkostung ließen sich die Bergfexe nicht nehmen.

Wie schmeckt ein Bier nach rund 50 Jahren Lagerzeit in einer Gletscherspalte? „Nicht schlecht“, schmunzelt der Südtiroler Michael Notdurfter (32) im Gespräch mit der „Krone“. Doch der Reihe nach.

Bei Versorgungsflug verloren
In den 1970er-Jahren hatte ein Hubschrauber bei einem Versorgungsflug für die Schwarzensteinhütte (2822 m) in den Zillertaler Alpen im Südtiroler Ahrntal ein Bierfass verloren – es rollte daraufhin in eine Gletscherspalte. Weil auch das Tribbachkees dramatisch zurückging, kam das Fass in diesem Sommer zum Vorschein. Davon erfuhren Notdurfter und sein Bergkamerad Daniel Oberlechner (42).

Daniel Oberlechner mit dem äußerst ungewöhnlichen Fundstück
Daniel Oberlechner mit dem äußerst ungewöhnlichen Fundstück(Bild: Michael Notdurfter)

Abenteuer „Fassrettung“
Die Nachricht weckte die Neugierde bei dem Duo. Die Männer beschlossen, das rund 40 Kilogramm schwere Fass vom Berg zu holen. „Uns interessierte vor allem, ob das Bier noch genießbar wäre“, schildert Notdurfter. Also wagten die beiden das Abenteuer „Fassrettung“ aus knapp 3000 Metern Höhe.

Rollwagerl für Abtransport
Es war der letzte Samstag im September, als das Duo in Richtung Schwarzensteinhütte aufstieg. „Bewaffnet“ waren Notdurfter und Oberlechner mit einem Rollwagerl, das sie zum Abtransport des einzigartigen Fundstücks auf 2800 Meter hinauf trugen.

Das Bier im Fass war 50 Jahre lang eisgekühlt.
Das Bier im Fass war 50 Jahre lang eisgekühlt.(Bild: Michael Notdurfter)

„Wir entdeckten das Fass auf einem Stein, auf den es wohl jemand gestellt hat“, erzählt Notdurfter. Sie banden es mit einem Strick auf das Wagerl und trugen das ungewöhnliche Gepäck zunächst im unwegsamen Gelände talwärts. Später konnten sie es dann zur Kegelgasslalm (2100 m) rollen, wo der Wirt es im Keller verstaute.

Verkostung auf der Alm
Zwei Wochen später stieg das Duo neuerlich zu der Alm auf – begleitet von Kollegen, um das 50 Jahre alte Bier zu verkosten. „Es schmeckte gar nicht übel“, schildert das Duo. In der Folge wurde das Fass mit der Materialseilbahn ins Tal transportiert, wo schon weitere neugierige Verkoster warteten – und den Gerstensaft genossen! Mittlerweile ist das fast leere Fass bei einem lokalen Getränkehändler „endgelagert“.

Das Relikt wurde mit dem Rollwagerl abtransportiert.
Das Relikt wurde mit dem Rollwagerl abtransportiert.(Bild: Michael Notdurfter)

„Dass wir es probieren würden, war überhaupt keine Frage“, schmunzeln die beiden Bergfexe. Sorge, sich die Gesundheit damit zu beeinträchtigen, hatten sie nicht. „Es ist wohl wie beim Wein – je älter, desto besser!“

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